Hundehilfe Toskana e.V. feiert 1. Geburtstag!

 

Liebe Freunde & Freundinnen der Hundehilfe Toskana,

 

vor mehr als einem Jahr hat eine bunte Truppe beschlossen, unseren Verein zu gründen. Die Anfangszeit war etwas beschwerlich, da Gründungsformalitäten dem Tatendrang immer wieder kleine und größere Knüppel zwischen die Beine geworfen haben. Aber darüber ließen wir uns nicht beirren, sind kontinuierlich auf unserem Weg fortgeschritten und haben schließlich unser Baby zur Welt gebracht.

🚐 Nach dem ersten erfolgreich gemeisterten Transport in der Nacht vom 14. auf den 15.12.2019, einigen Folgetransporten aus der Toskana nach Würzburg und den ersten vermittelten Hunden dann der große Schock: Corona, Pandemie und Lockdown. Die Grenzen von und nach Italien waren plötzlich dicht. Zugleich kamen pessimistisch stimmende Nachrichten. Chiara war wahnsinnig beunruhigt, da der Lockdown viele Hindernisse zur Versorgung der Hunde in unserer Tierheim-Pension und in den Auffangstellen aufwarf. Zu den Bedenken um die eigene Gesundheit kam die Ungewissheit, ob und wie lange so viele Hunde versorgt werden können. Wir halfen in dieser Hochphase, indem wir mit Spenden Futter für die Hunde vor Ort kauften und per Kurierdienst zum Tierheim bringen ließen.

 

    

 

👩 In der gleichen Zeit stieß Marianna zum italienischen Netzwerk von HHT. Die junge Frau lebt in Süditalien und war in Not geraten, weil sie vierzig Hunde einer verstorbenen Tierschützerin übernahm. Wir konnten auch sie mit Futterspenden unterstützen und vermittelten etliche ihrer Hunde, nachdem die Grenzen wieder geöffnet waren. Marianna unterhält eine private Auffangstelle, die im Sommer besonderes Pech hatte: Ein Lagerfeuer von Anwohnern breitete sich in der trockenen Vegetation aus und vernichtete einen Teil ihrer gelagerten Futtervorräte. Die Hunde hatten unglaubliches Glück und kamen nicht zu Schaden. Unsere HHT-Crowd nahm großen Anteil an dem Schrecken durch den Brandschaden und spendete für neues Futter.

 

Spenden kommen in Italien an

 

💪 Eine weitere italienische Auffangstelle, die wir seit unserer Gründung unterstützen, ist Cristianas Hundeunterkunft. Die zupackende Cristiana hatte trotz finanzieller Nöte versucht, verstoßenen Hunden ein vorübergehendes Zuhause einzurichten. Die Tiere lebten bei ihr spartanisch (um das positiv auszudrücken) und das Futter war ihr auch schon einmal ausgegangen. Die Hundehilfe setzte sich aktiv für eine bessere Versorgung und Unterbringung ihrer Hunde ein und konnte schon viele ihrer Schützlinge in neue Familien in Deutschland vermitteln.

 

Trillo bei Cristiana

 

🎥 Im Spätsommer besuchte ein Teil unseres gewachsenen Media-Teams nicht nur Chiara im Tierheim in Arezzo, sondern auch Cristianas Unterkunft. Wir sind überglücklich, dass dabei so spitzenmäßige und professionelle Filme entstanden sind! Das Feedback unserer VermittlerInnen war eindeutig: Unsere erweiterte Präsenz in den sozialen Medien half immens dabei, unsere Hunde einem größeren Publikum vorzustellen und letztendlich ein gesichertes Leben mit Körbchen zu beschaffen.

📢 Überhaupt kann man nicht genug des Lobes sein für unsere Heinzelmännchen und -frauen, die quasi hinter den Kulissen die Hundehilfe maßgeblich mitgestalten und dem Verein nach außen hin zu einem Gesicht verhelfen. Sie machen und bearbeiten Fotos, stellen sie in verschiedenen Portalen ein, schreiben Texte zu den Hunden, schneiden Filme, erstellen gedrucktes Material… Ohne diese wichtigen Info-Medien wüssten viele Menschen nicht, was die Hundehilfe Toskana ist und was sie macht. Wir sind unendlich dankbar für diese Arbeit.

 

        

Filmdreh in Italien & Chiara in der Auffangstation

 

👏 Vergessen darf man auch nicht die unermüdlichen Helfer- und Helferinnen, die unsere Transporte ermöglichen: Die Hunde nach der Ankunft sicher und gelassen auszuladen, sie den neuen BesitzerInnen zu übergeben und dabei immer konzentriert-freundlich zu bleiben, frühmorgens am Wochenende, wo viele noch gemütlich in ihren Betten schnarchen… Das sollte gebührend anerkannt werden und vor allem, wenn man noch die äußeren Umstände und die sich ständig ändernden Corona-Vorschriften mit einrechnet.

😷 Wie so vieles in 2020 ist auch der gewandelte Ablauf unseres Transports der Pandemie geschuldet. Ursprünglich fuhren wir mit einem Transporter vollgepackt mit Futter- und Sachspenden von Deutschland aus in die Toskana und besuchten während eines kurzen Aufenthalts mehrere Stellen, wo die Hunde untergebracht sind. Auf der Rückfahrt waren dann die Hunde unsere kostbare Fracht. Das war so leider aufgrund der Quarantäne- und Kontaktregeln nicht mehr möglich.

 

        

Vor dem Ausladen & kontaktlose Übergabe mit Panikgeschirr

 

💃Wir fanden eine tolle Frau, Giovanna, die von Italien aus die Hunde mit einem Transporter zu uns fährt. Diese Änderung verschafft uns organisatorische und zeitliche Ersparnis, zwackt aber auch mehr aus der Vereinskasse ab. Ohne unsere ganzen Spender und Spenderinnen, wäre die Hundehilfe Toskana e.V. nicht in der Lage, so viele Transporte zu finanzieren. Wir konnten allein seit der Gründung rund 200 Hunde vermitteln (zum aktuellen Zeitpunkt…) und planen auch nicht, damit aufzuhören. Denn immer wieder schreiben uns die TierschützerInnen von zahlreichen Hunden in großer Not.

 

Eva

 

Um einige zu erwähnen:

Lazarus, der junge, aufgeweckte Bursche, der auf der Jagd schwer verletzt wurde und immer wieder notdürftig geflickt werden sollte, bis ein Tierarzt aufbegehrte. Der Rüde hatte unfassbares Glück, denn er wurde nicht bloß meisterlich von unsrer Tierärztin des Vertrauens, Gessica, operiert und geheilt. Er konnte auch sein Bein behalten und wurde vermittelt.
Eva, die süße Hündin, die nach einem Verkehrsunfall ein schlecht verheiltes Bein hat und ebenfalls operiert werden muss oder Terrier Lapo, den wir auf einer Pflegestelle in Deutschland unterbringen und seine gesundheitlichen Probleme medizinisch anpacken konnten. Lapo hat schnell ein schönes Zuhause für immer gefunden.
Diese Behandlungen kosten Geld und nicht gerade wenig. Die Hundehilfe wäre nicht in der Lage, diesen Not und Schmerzen leidenden Tieren die wichtigen Maßnahmen zu ermöglichen, wenn wir nicht auf unsere ganzen geschätzten, wahnsinnig aktiven UnterstützerInnen zählen könnten.

 

        

Lazarus & Lapo

 

🙏 Da sind einmal die ganzen selbstlosen Paten und Patinnen zu nennen, die den Hunden, die noch in Italien ausharren müssen, das Leben erleichtern. Grandioses leisten auch unsere Pflegestellen. Sie sind mutig und beherzt und nehmen Hunde auf, denen der menschliche Kontakt noch nicht ganz geheuer ist. Sie sind zur Stelle, wenn ein älterer Hund einen warmen Platz vor dem Winter braucht oder wenn ein kleiner Welpe schnell aus dem ungemütlichen Zwinger in ein geregeltes Zuhause muss. Sie helfen dabei, die Hunde auf ihr Dasein in einer Familie vorzubereiten und verdoppeln und vervierfachen sogar die Chancen der Hunde darauf, überhaupt vermittelt zu werden. Was würden wir ohne diese ganzen Menschen schaffen?

🎨 Wir wollen nicht die kreativen Zellen unerwähnt lassen, die sich Aktionen und Kreationen ausdenken, um uns damit Geld zu spenden. Von veganem Backwerk über Marmeladenspezialitäten, zum Verkauf von Gebasteltem und von Kindern betriebenen Limo-Ständen – den Ideen sind keine Grenzen gesetzt und wir staunen und freuen uns unfassbar über jeden Cent, der den Tieren dadurch zugute kommt.
Egal, was wir in unseren Foren anpreisen, ob das handgenähte Stoffmasken mit Logo sind, WhatsApp-Auktionen oder kürzlich die Charity Pots von LUSH: Ihr, die ganzen zahlreichen UnterstützerInnen seid dabei und macht mit.

 

Chiara mit Luna

 

Das ist für uns als Hundehilfe immer wieder bewegend. Denn dann wissen wir, das wir nicht allein gegen verachtende Haltungsformen und die schlechte Behandlung dieser Wesen kämpfen, sondern, dass es viele gibt, die ein Herz haben und fähig sind zu Empathie.

In diesem Sinne:

Lasst uns weiterhin so fröhlich und positiv gestimmt daran arbeiten, dass Hunde, die zum Lebensbeginn die schlechteren Karten gezogen hatten, am Ende doch ein liebevolles Zuhause bekommen.

Ein riesengroßes, herzliches Dankeschön an Euch alle! 💛💛💛💛💛

Euer Team der Hundehilfe Toskana e.V. 🐾

 

 

 

Kompetente Hundetrainer*innen…

…und woran man sie erkennt

 

Bei fast 10 Millionen in Deutschland lebenden Hunden ist nachvollziehbar, warum immer mehr Menschen den Beruf des Hundetrainers*) ausüben möchten. Der Bedarf an Training, Hilfe bei der Hundeerziehung oder zur Anleitung bei Hundesportarten ist gegeben – und die Klientel zahlt.
Was viele nicht wissen: Es gibt keine einheitliche, staatliche Ausbildung zum Hundetrainer. Diese Bedingungen führen leider dazu, dass auch Selbsternannte den Beruf ausüben, die nicht über die notwendigen Kompetenzen verfügen. Die Leidtragenden sind am Ende vor allem die Hunde.

Hier ein Beispiel:

 

Ein Ehepaar nimmt eine ängstliche Hündin aus Italien zur Pflege bei sich auf. Die Hündin fasst schnell Vertrauen zum Frauchen, hat aber nach einer Woche noch Scheu beim Ehemann. Damit das Pflegeherrchen auch gut mit der Hündin allein spazieren gehen kann, wenn die Frau nicht zu Hause ist, überlegt das Paar eine Hundetrainerin einzuschalten. Die Trainerin wurde ihnen von einer Bekannten empfohlen: Sie habe in nur einer Trainingseinheit ihren Hund quasi verwandelt. Sie halte selbst Hunde und habe mehr als 20 Jahre Erfahrung. Man ist überzeugt, das Paar lässt die Trainerin zu sich kommen.

Beim ersten Termin im Haus fällt auf, dass die Hundetrainerin „stark und dominant“ auftritt. Die Hündin verhält sich zurückhaltend, was damit begründet wird, dass das Tier spüren würde, dass die Trainerin „Teil eines starken Rudels“ sei. Nach der Begutachtung der ängstlichen Hündin, zu der die Trainerin ihren eigenen 17jährigen Hund hinzugezogen hatte, geht es zum gemeinsamen Spaziergang in den Wald. Diese erste Trainingseinheit wird von dem Paar mit 50 € beglichen. Die Trainerin versichert, das Geld gehe zu 100% in den Tierschutz und schlägt einen weiteren Termin vor, damit der Ehemann sicherer im Umgang mit der Hündin werde. Da die Pflegestelle plant, die Hündin fest zu adoptieren, willigen sie ein.

Eine gute Woche nach dem ersten Treffen gibt es eine weitere Einheit mit dem Mann, der Trainerin und der Hündin im Haus. Die Ehefrau kommt etwas später hinzu und man beschließt in einem Auto in den Wald zu fahren und dort das Training fortzusetzen. Die Trainerin hat zwei eigene Hunde dabei, die sie auf der Rückbank gemeinsam mit dem Pflegefrauchen und deren Hündin fahren lässt. Bei Ankunft dürfen zuerst die beiden Hunde der Trainerin die Rückbank ins Freie verlassen. Das Pflegefrauchen möchte, dass ihre Hündin kurz innehält und erst dann angeleint aus dem Auto springt.

In diesem Moment greift die Trainerin ungefragt ein: Sie beugt sich mit ihrem gesamten Oberkörper ins Fahrzeuginnere, drängt die Hündin in die Ecke, ergreift ihr Geschirr oder die Leine und „maßregelt“ den Hund daran. Die ohnehin ängstliche Hündin gerät über dieses Verhalten in Panik, weicht nach hinten aus, bäumt sich auf, knurrt, bellt, schnappt und kotet ab. Das Pflegefrauchen, das diese Szene schildert, sieht nicht, wie es passiert, sondern nur das Ergebnis. Der in Panik aufgelöste Hund hat der Trainerin in die Stirn gebissen. Der Rettungsdienst wird verständigt. Da es sich um einen Hundebiss handelt, wird automatisch die Polizei hinzugezogen. Die Hündin der Pflegestelle wird aber durch die Beurteilung eines Hundeführers entlastet und als nicht gefährlich eingestuft.

Gerade sensible Hundepersönlichkeiten aus dem Tierschutz brauchen erfahrene und kompetente Trainer und Trainerinnen. Es gibt ein paar klare Punkte an denen ihr überprüfen könnt, ob ein Trainer oder eine Hundeschule geeignet ist, euch mit eurem Hund zu trainieren:

 

1. Ausbildung

Einen Hundetrainerlehrgang bieten zahlreiche Institute an und daher ist keine einheitliche Ausbildung für diesen Beruf in Deutschland gegeben. Jeder Hundetrainer braucht aber zur Ausübung seines Berufs die „Erlaubnis zur gewerbsmäßigen Ausbildung von Hunden oder Anleitung der Tierhalter“ nach Tierschutzgesetz Paragraf 11 des örtlichen Veterinäramtes. Im Zweifel den Hundetrainer fragen, wo und welche Ausbildung er durchlaufen hat und ob die Genehmigung durch das Vet-Amt vorliegt. Positiv ist es auch, wenn der Hundetrainer sich mit Fortbildungen auf dem neuesten Stand hält.

2. Gewaltfreies Trainingskonzept

Zur Erinnerung: Im Tierschutzgesetz steht, dass keinem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leid und Schaden zugefügt werden dürfen – daran müssen sich alle halten. 
Körperliche Strafen am Hund sind nicht vertretbar. Ein Trainer, der den Hund tritt, schlägt, anbrüllt oder zur „Verhaltenskorrektur“ am Halsband reißt, ist nicht kompetent. Auch wenn euch ein Trainer einreden möchte, dass ihr euren Hund auf diese Weise maßregeln solltet, ist das ein klares Ausschlusskriterium. Der Einsatz von „Hilfsmitteln“, die dem Hund Schmerzen oder Schaden zufügen, müssen abgelehnt werden (z.B. Stachelhalsbänder). Eine gute Hundeschule informiert vorab (z.B. auf ihrer Website) darüber, dass körperliche Bestrafung nicht in ihr Trainingskonzept passt.

3. Kompetenz

Auf dem Gebiet der Verhaltensforschung werden immer wieder neue Kenntnisse gemacht, die das Wissen darüber wie Hunde sich verhalten und wie sie lernen, erweitern oder sogar verändern! Hundetrainer, die behaupten, dass die lerntheoretischen Erkenntnisse „alles neumodischer Quatsch“ sind und man früher Hunde auf diese und jene „althergebrachte“ Weise erzogen hat, sind mit Vorsicht zu genießen. Ein kompetenter Hundetrainer kann und muss dem Halter nachvollziehbar erklären, warum und wie eine bestimmte Trainingsmethode angewandt wird. Ein sehr sinnvolles Trainingskonzept basiert auf der „positiven Bestärkung“ (die z.B. beim Clickertraining genutzt wird). Fragt den Hundetrainer einfach vorab, ob er mit diesem Konzept arbeitet.

4. Umgangston und Menschenkenntnis

Sehr wichtig ist auch, ob man sich selbst gut mit dem Trainer fühlt. Schließlich soll der Trainer euch dazu anleiten, wie ihr mit eurem Hund umgeht und ihn fördern könnt. Ein Hundetrainer muss also nicht nur Hunde, sondern auch Hundehalter*innen trainieren können. Ist der Umgangston mit den Trainingsteilnehmenden freundlich und angenehm? Denn wer Spaß beim Training hat, lernt bekanntlich besser – das gilt für Menschen, genauso wie für Hunde. Beobachtet euren Hund beim Training: Fürchtet er sich vor dem Trainer oder freut er sich, ihn zu sehen? Wie ist es mit euch – habt ihr den Eindruck, der Trainer hat Freude an seinem Beruf und interessiert sich aufrichtig für die Hunde? Steht ihr Wohlergehen an oberster Stelle für ihn?

5. Hundeerfahrung

Jeder Hundetrainer hat im Normalfall Schwerpunktbereiche: Manche haben sich auf den Hundesport (z.B. Agility) spezialisiert, andere sind Experten in der Problemberatung. Nicht automatisch jeder hat Erfahrung mit Hunden aus dem (Auslands-)Tierschutz oder mit Angsthunden. Es ist daher notwendig beim Erstgespräch (z.B. per Telefon) abzuklären, ob der Hundetrainer auch wirklich das erforderliche Erfahrungsspektrum für das Training mit eurem Hund besitzt. Aber egal welchen Schwerpunkt ein Hundetrainer bedient, eines müssen habe alle: Ein fundiertes Wissen über die Körpersprache von Hunden. Ein Trainer, der die Mimik und Körpersprache eines Hundes nicht versteht (siehe die Geschichte oben!) ist eindeutig im falschen Beruf.

6. Trainieren mit Plan

Ein guter Hundetrainer wird zunächst eine umfangreiche Anamnese von eurem Hund erstellen und im Gespräch mit euch Fragen abklären, bevor er erläutert, wie das Training aussehen soll. Dabei wird er wissen wollen, ob der Hund gesundheitliche Probleme hat, denn diese könnten ein Training beeinflussen. Der Trainingsplan, den er euch im Anschluss vorstellt, sollte realistisch gesteckte Ziele haben. Macht der Hundetrainer etwa Versprechen, die wie eine „Wunderheilung“ klingen, darf man skeptisch werden. Zum Beispiel auch, wenn er vermitteln möchte, dass nur die Kastration eures Hundes zur Änderung seines Verhaltens führen wird. 
Gutes Hundetraining beinhaltet zudem eure Kooperation und eure Bereitschaft, mit dem Hund zu trainieren und eure Hausaufgaben zu machen. Ein Hundetrainer, der sich nur die Leine von eurem Hund schnappt und ihn „behandelt“ während ihr daneben steht, macht wenig Sinn. 
Je nach Problematik oder je nachdem, welchen Kurs ihr in der Hundeschule besucht, erstellen die Trainer auch Protokolle der Trainingseinheiten. Das hilft euch, eure Fort- und auch Rückschritte zu erkennen.

 

💡Hundetraining ist ein bisschen wie ein Paartanzkurs💡

Man kann nicht erwarten, dass alle Teilnehmenden die Schritte zur gleichen Zeit drauf haben. Bei manchen geht es schnell, andere brauchen länger. Man muss Geduld haben und meistens läuft es unverkrampft und ohne verbissenen Ehrgeiz gleich viel besser. Hat man dann noch einen Trainer, der selber gerne tanzt, macht das Ganze zudem richtig Spaß.

 

 

*) Der Einfachheit halber wird im Text nur die eingeschlechtliche Bezeichnung benutzt. Gemeint sind aber alle…

Eine erfolgreiche Adoptionsgeschichte

 

 

Obwohl wir zahlreiche Hunde vermitteln und wir uns über jeden, der ein neues, schönes Zuhause bekommt, sehr freuen, so sind doch manche Schicksale mit einem guten Ausgang besonders berührend. Hier schrieben uns die AdoptantInnen – lest selbst:

 

„Es klingt wie eine tragische Geschichte mit einem herzerwärmenden Happy End auf vier Pfoten…

Am 01.12.2019 erblicken Hanni und Nanni gemeinsam mit ihren anderen Geschwistern in Italien das Licht der Welt. Sie hören die ersten Geräusche und schnuppern die ersten Gerüche. Die zwei Segugio Italiano-Damen entdecken die Welt. Die Knospe des Lebens öffnet sich, so könnte man es blumig beschreiben. Leider hat das Schicksal es anfänglich schwer mit den beiden gemeint und so werden Hanni und Nanni von Menschen separiert und ausgesondert. Wieder einmal zeigt die menschliche Beurteilung ihre Fehlerhaftigkeit. Was die beiden in Folge dessen erfahren und über sich ergehen lassen müssen (Einsamkeit, Kälte, Herzlosigkeit, Hunger…) ist hier nicht weiter erwähnenswert.

Italienische TierschützerInnen befreien die beiden aus dieser lebensunwürdigen Situation und sie finden ihren Weg durch die Hundehilfe Toskana nach Deutschland. Nach anfänglichen Monaten des Beisammenseins trennt sich hier der gemeinsame Weg.

Hanni führt es nach Sachsen-Anhalt und Nanni nach Nordrhein-Westfalen, wo sie von einer Pflegestelle aufgenommen wird.

Nanni ist von den Strapazen ihrer ersten Lebensmonate gezeichnet und hat Untergewicht, Fellprobleme, Würmer und eine Infektion der Gehörgänge. Hanni hat das bislang erfahrene Leben körperlich besser weggesteckt und strahlt trotz ihrer Erlebnisse das Geheimnis ihres gewissen Etwas aus.

Im September 2020 entscheidet sich ein Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen Hanni bei sich aufzunehmen. Nach schriftlichem und telefonischen Kontakt mit Hundehilfe Toskana sowie täglichen Gesprächen mit der Pflegestelle ist ein Treffen / Kennenlernen und bald die Adoption mit Rückfahrt nach NRW für Ende September geplant.

Das Ehepaar erblickt einen unaufdringlichen, vor allem aber nachvollziehbar ängstlichen Hund, der beim Spaziergang ganz in seinem Element aufblüht und dennoch skeptisch aus der Distanz die Zweibeiner beäugt. Mit Artgenossen zeigt Hanni sich nahbar, ist aufgeweckt und ganz italienisch temperamentvoll. Die Blicke dieses zart besaiteten Wesens, seine Ausstrahlung und die Ausdruckskraft seiner Seele ziehen das Ehepaar in den Bann und bereiten Hanni den Platz in ihren Herzen.

 

 

Wieder einmal verlässt Hanni den Ort ihres Vertrauens und geht erneut auf eine ihr unbekannte Reise. Diese findet ihr Ziel in einem großen Eigenheim mit Garten. Einem Paradies für Vierbeiner, wie man der tierlieben Pflegestelle ohne Umschweife bescheinigen darf.

Ende der Geschichte? Noch nicht!

Das berufstätige Ehepaar achtet auf das Tierwohl und entscheidet sich nach wenigen Tagen einen weiteren Hund bei sich aufzunehmen. Ob von höheren Sinnen bedacht oder menschlichen Gedanken gelenkt, finden sich das Ehepaar und die Gastmutter von Nanni.  An dieser Stelle der Geschichte ist jedem schnell klar: „Hier passiert etwas ganz Seltenes“

Die beiden Hunde-Schwestern gehen am 30.09.2020 die ersten Meter nach 2 Monaten wieder gemeinsam und das Ehepaar entscheidet sich, die beiden nie wieder voneinander zu trennen.

Der erste Moment als die beiden in ihrem neuen Zuhause befreit von der Last ihrer Vergangenheit ihre Lebendigkeit gefühlt und ausgelebt haben… über den grünen Rasen im Vollsprint gelaufen sind… miteinander gespielt und einander nachgerannt sind… Dem Ehepaar laufen beim Anblick die Glückstränen über die Wangen.

 

 

Erste Eindrücke nach neun Tagen:

Hanni hat ihren Namen behalten. Für Nanni hat sich der Name „Nala“ gefunden. Beide Hunde vertragen sich optimal miteinander und profitieren voneinander. Was der einen an Mut fehlt, zeigt die andere. Die Gewöhnung an das neue Zuhause und die Menschen verläuft normal. Die anfängliche Aufregung der beiden hat sich gelegt. Nala ist eine „Fressmaschine“ und hat eine optimale Verdauung. Hanni ist sehr sensibel und taut mehr und mehr auf. Beide lassen sich anfassen und finden immer mehr Gefallen an Nähe und auch Kuscheleinheiten. Das Vertrauen aller Beteiligten wächst. Die Erziehung geht langsam voran. Das Sofa ist angenommen und wird ausgiebig getestet….

Und welche Geschichte schreibt das Leben morgen? Danke, LEBEN“

 

 

Auslandstierschutz in Italien

Was genau macht die Hundehilfe Toskana eigentlich?

 

 

Der Verein Hundehilfe Toskana wurde in Deutschland gegründet und sitzt in Würzburg. Allerdings haben wir ein großes Netzwerk an HelferInnen und UnterstützerInnen, die verstreut im ganzen Bundesgebiet leben. Die ehrenamtlichen Hundehilfe-MitarbeiterInnen in Deutschland kümmern sich hauptsächlich darum, auf den Verein aufmerksam zu machen und so Menschen zu finden, die spenden, die Hunde als neue Familienmitglieder adoptieren oder sich als Pflegestelle zur Verfügung stellen.

Die andere große Säule der Vereinsarbeit ist unser italienisches Netzwerk. Unsere Partner-TierschützerInnen vor Ort bringen die Hunde in Sicherheit und versorgen sie, bis sie vermittelt werden. Ohne die tatkräftige, aufopfernde Arbeit der italienischen TierschützerInnen hätten wir keine Chance, Hunde nach Deutschland zu holen. Sie sind es, die ihre Augen und Ohren in der Region immer offen halten und Tiere in Not aufnehmen.

 

Tatsächlich greifen sie immer wieder hungernde Streuner auf, aber viele der Hunde in unserer toskanischen Tierheim-Pension und den privaten Auffangstellen sind von Familien oder von Jägern abgegebene Tiere. Da macht sich die jahrelange (oder jahrzehntelange) Aufklärungsarbeit der italienischen TierschützerInnen bezahlt, denn es darf leider nicht als selbstverständlich angesehen werden, dass „nicht mehr zu gebrauchende Jagd“-Hunde in die sicheren Hände eines gut geführten (!) Tierheims abgegeben werden.

 

Die TierschützerInnen besuchen so oft es geht die in heruntergekommenen Zwingern und ländlichen Baracken gehaltenen Hunde. Sie werden zur Jagd auf Wildschweine, Hasen und zur Suche nach Trüffeln gehalten und gelten leider meist nur als „minderwertige Nutztiere“. Da sich die Jäger in vielen Fällen nicht um die tierärztliche Versorgung ihrer Hunde scheren, versuchen die TierschützerInnen an diesem Punkt anzusetzen: Die Jäger sollen ihnen erkrankte, schwache oder verletzte Hunde freiwillig herausgeben. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen müssen sie ein Vertrauensverhältnis zu den Jägern aufbauen, damit das funktioniert.

 

Hat es eine der TierschützerInnen geschafft einen Hund vom Jäger zu bekommen, dann wird der Neuzugang auf einen der von Hundehilfe Toskana durch Spenden finanzierten Platz (ein sogenannter Pensionsplatz) gebracht. Das belastet die Vereinskasse zwar erheblich, aber der Hund ist wirklich sicher und kann mit dem Notwendigen versorgt werden. Prävention vor Parasitenbefall, Kastrationen und lebensrettende Operationen haben auch in Italien ihren Preis. Nach Möglichkeit unterstützen wir finanziell durch Übernahme dieser Kosten.

Zudem arbeiten wir mit privat betriebenen Auffangstellen in Italien, die immer nur eine begrenzte Anzahl von Tieren aufnehmen können. Bevor so eine Kooperation überhaupt möglich ist, besuchen wir die Menschen, die die Auffangstationen unterhalten vor Ort und gewinnen nach und nach ihr Vertrauen. Sie wünschen sich für ihre Hunde ein besseres Leben, wollen wissen mit wem sie zusammen arbeiten und wohin die Hunde vermittelt werden. Häufig fehlt es diesen Auffangstellen an Futter oder Baumaterial, um die Hunde artgerecht zu versorgen und unterzubringen – wir stehen ihnen als Verein helfend zur Seite.

 

 

Ist ein italienischer Hund auf Pension oder in der privaten Auffangstelle in Sicherheit, beschreiben uns die TierschützerInnen sein Wesen. Dadurch haben wir Stoff für die Texte, die wir online stellen, um ein neues Zuhause für den Hund zu suchen.
Die Interessenten, die sich daraufhin bei uns melden, werden durch eine Vorkontrolle (oder Hausbesuch) auf Herz und Nieren getestet. Haben wir geeignete AdoptantInnen für einen Hund gefunden, wird sein Transport in enger Zusammenarbeit mit den ItalienerInnen organisiert.

 

Es müssen dafür aufwendige Formalitäten erledigt werden: Der Transport jedes einzelnen Tieres über EU-Grenzen wird durch sogenannte TRACES dokumentiert. Die Hunde brauchen alle einen EU-Heimtierausweis und müssen geimpft und entwurmt sein. Sind diese Dinge in Angriff genommen, kommt für die deutschen HelferInnen der Hundehilfe auch noch die Koordination mit den zukünftigen HalterInnen hinzu. Die Hunde sollen schließlich nach Ankunft des Transporters in Deutschland zuverlässig übergeben werden und Schutz- und Pflegestellenverträge unterschrieben sein.

 

 

Es gibt also jede Menge zu erledigen und es erfordert ein ziemlich hohes Ausmaß an Organisationstalent. Dabei ist das nur ein Umriss der wichtigsten, regelmäßigen Aktivitäten, die wir als Hundehilfe Toskana leisten. Es gibt noch so vieles, das mit Herzblut und Engagement hinter den Kulissen von zahlreichen Menschen mit Mitgefühl für leidende Tiere getan wird – so dass mehr Hunde in Europa langfristig ein besseres Leben leben können.

💛💛💛  Tierschutz macht Sinn: Der 4. Oktober ist Welttierschutztag. Möchten auch Sie sich engagieren oder helfen? Informieren Sie sich auf unseren Facebook und Instagram Kanälen über unsere laufenden Aktionen und über die Hunde, die wir vermitteln. 💛💛💛

 

Was ist Dog Walking?

Hundehilfe Toskana hat es ausprobiert

 

Wie ist es eigentlich, wenn man mehr als 10 Hunde spazieren führt? 🐕🐕🐕🐕🐕
Vor kurzem bot sich uns die einmalige Gelegenheit einer professionellen Dog Walkerin aus Berlin bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.

 

Wir verabredeten uns in einem weitläufigen offiziellen Hundeauslaufgebiet 🌳 hinter der nördlichen Stadtgrenze. Die Dog Walkerin kommt regelmäßig mit ihrem mehr oder weniger festen Rudel dorthin und kennt jeden Busch wie ihre Westentasche. An diesem Tag hatte sie 12 Vierbeiner dabei, die mit ihrem Ausführservice vertraut sind. Dazu kamen unsere beiden aus dem Auslandstierschutz. Ich war gespannt, wie sich die insgesamt 14 Hunde verhalten würden. Ob wild getobt werden würde? Oder gerauft?

Erst einmal wurden die Hunde auf dem Parkplatz aus dem Fahrzeug geladen. Da man 12 Hunde, die schon wissen, dass „es jetzt gleich los geht“ nicht unkontrolliert zwischen geparkte und einfahrende Autos springen lässt, dauert das seine Zeit. Nach dem Entladen lief uns die Walkerin mit ihrem angeleinten Rudel voraus in das nicht eingezäunte Auslaufgebiet. Wir folgten im Abstand von etwa 15 m mit unseren Hunden an der Leine. Dabei konnte ich gut beobachten, wie unterschiedlich die Hunde der Gruppe sind: Vom Mops bis zum Labrador und etlichen Varianten an Mischlingen, ist alles dabei.
Bis auf das Fiepen einer nervösen Terrierdame schien die Gruppe ruhig und gab ein harmonisches Bild ab. Die vielen Schleppleinen der Hunde bündelten sich wie ein Strauß Blumen in der Hand unserer Walkerin. Um aus den Leinen kein unentwirrbares Knäuel zu machen, bewegte sie sich aufmerksam, aber entspannt vorwärts und die Tiere mit ihr.

Nach etwa 100 m und der ersten Wegbiegung begann die Dog Walkerin damit, einzelne Hunde abzuleinen, sobald sie aufmerksam und ruhig waren. Mittlerweile durften sich auch unsere beiden frei bewegen und nahmen zunächst zaghaft, aber nett Kontakt mit dem Gassi-Rudel auf. Dann begannen alle lebhafter zu werden. Der braune Podenco, der gern vorausläuft, animierte unseren Rüden es ihm nachzumachen. Zusammen mit einigen anderen Draufgängern stoben sie ins Gebüsch. Die eher gemütlichen Kandidaten trotteten neben oder hinter uns und schnüffelten am Wegrand herum. Die Walkerin behielt immer alle im Blick und rief einzelne Hunde zu sich zurück. Kamen sie prompt angerannt, gabs eine Belohnung. Mich beeindruckte, wie auch dabei alle Hunde freundlich zueinander blieben, obwohl gerade manche ein Leckerli bekamen und andere nicht.

Das Auslaufgebiet ist ziemlich groß, so dass man nicht an jeder Ecke jemandem begegnet. Passiert es dann doch, wissen die meisten BesucherInnen 🏃 🚴, dass Profi-Dog Walker mit ihren Hundegruppen unterwegs sind und nehmen darauf Rücksicht. An diesem Tag liefen an uns ein paar Jogger vorbei und einige private HundebesitzerInnen – das Rudel beschnupperte die anderen freundlich und ging folgsam auf die Seite des Weges, wenn wir sie dazu anwiesen. Begegnet man weiteren Dog Walkern mit ihren Hunden, dann wird durch Zuruf aus einiger Entfernung geklärt, wer wohin möchte. So wird verhindert, dass eine ziemlich große Gruppe an Hunden aufeinander trifft und womöglich den Weg versperrt oder sich einzelne Tiere in die Wolle kriegen.

Auf etwa der Hälfte des Spaziergangs gingen wir die Böschung zu einem Bachlauf 💦 hinunter. Für die Wasserratten ein schönes Highlight zum Baden, für die anderen eine Möglichkeit zu Trinken. Gehts durch ein Auslaufgebiet ohne Wasserzugang – und generell auch für den Durst zwischendurch – hat die Dog Walkerin immer mehrere Näpfe und Wasser dabei. An Lichtungen wird dafür gern mal ein Päuschen eingelegt. Einige Hunde ruhen sich dann aus. Die Aktiven buddeln oder fangen ein Spiel miteinander an.

Als es dann nach gut 2 Stunden wieder in Richtung des Parkplatzes ging, waren unsere beiden Hunde schon so in die Gruppe integriert, als würden sie täglich mitgehen. Besonders unser Rüde strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Ob er früher in Italien bei der Jagd in einer Meute mitgenommen wurde, wissen wir nicht, aber es war für ihn auf jeden Fall der erste Freizeitspaziergang mit so vielen Hunden. Die Anwesenheit der anderen Hunde hatte ihn sichtlich animiert, seine Extrakilometer beim Vor- und Zurückrennen zur Gruppe zu machen. Unsere tiefenentspannte Hündin blieb auf dem gesamten Spaziergang mehr in der unsrer und der Nähe des Rudels und schloss Freundschaft 💛 mit einem ebenfalls ruhigen Dackelrüden.

 

 

Fazit:

 

Kompetente Dog Walker haben ihre Hunde konsequent und stets wohlwollend unter Kontrolle, weil sie sie gut kennen und ihre Gassigruppe achtsam zusammen stellen. Die Dog Walker bieten in der Regel für Interessierte Proberunden an und können einschätzen, ob die Hunde zueinander passen. Als HundebesitzerIn muss man diesen Service bezahlen, aber es ist für die meisten gut sozialisierten und fitten Hunde eine prima Gelegenheit sich auszupowern, ohne überfordert zu werden. Manch unsicherer Hund (wie der kleine Terrier) fühlen sich in der Gruppe wohler als allein. Aber auch ältere Hunde kommen voll auf ihre Kosten, weil die Dog Walker das Tempo der Gruppe anpassen. Grundsätzlich ist es für Stadthunde eine schöne Sache aus der täglichen Routine herauszukommen und sich abgeleint durchs Auslaufgebiet zu bewegen.

Da kein Hund länger als 6 Stunden alleine gelassen werden sollte, kann ein Profi Gassi-Service die optimale Lösung sein, den Hund auszulasten und seine Lebensfreude zu erhalten, wenn man tagsüber nicht zu Hause ist. Der Hund wird abgeholt, zum Auslaufgebiet und auch wieder zurück gebracht. Er hat Kontakt zu Artgenossen und darf sich in verkehrsarmer Landschaft vom Alltagstrott erholen. Dog Walking – oder Ausführservices gibt es überall, nicht nur in Berlin. Einige bieten günstigere Abos für regelmäßige Spaziergänge an. Man sollte aber nicht nur nach dem Preis entscheiden, sondern ob der/die Dog Walker einen Draht zum Hund hat, fachlich kompetent ist und eine positive Einstellung in der Hundeerziehung mitbringt.

Neugierig geworden? Hört euch um – vielleicht kann euch z. B. eure Hundeschule jemanden empfehlen!

💟

 

 

 

Was passiert eigentlich mit Spenden?


Mit verschiedenen Aktionen – u.a. einer Whatsapp-Auktion oder durch den Verkauf von Stoffmasken – haben wir in letzter Zeit (Stand: Anfang Mai 2020) dazu aufgerufen, an die Hundehilfe Toskana zu spenden oder dadurch Spenden generiert. Es freut uns sehr, dass dem viele Menschen nachgekommen sind und unserem jungen Verein ihr Vertrauen geschenkt haben. Hier möchten wir einen Einblick geben, was wir eigentlich mit dem Geld finanzieren.

Ende April bekamen wir von einer italienischen Auffangstelle, die wir unterstützen, eine ganze Reihe Fotos zugesendet. Darauf zu sehen sind die zahlreichen Schutzhalsbänder mit den Hunden, die sie nun tragen. Die Bänder sind relativ teuer, aber der beste und einfachste Schutz gegen die Sandmücke, die in Italien die Mittelmeerkrankheit Leishmaniose überträgt. Zudem hatte sich die etwas abseits auf dem Land gelegene Auffangstelle dringend benötigtes Futter durch unsere Finanzspritze schicken lassen können. Auf dieser Stelle sind Dutzende Hunde untergebracht – ein paar Säcke würden kaum ausreichen. Bei 50 Hunden sind 500 kg Trockenfutter in 40 Tagen verbraucht und der Bedarf ist entsprechend immer groß.

Die Auffangstellen hatten während des Höhepunktes des Corona-Lockdowns wie alle Privatpersonen das Problem, dass sie nicht einfach so zum Tierarzt oder zum Tierfachhandel fahren konnten (wir haben darüber berichtet). Da ganz Italien in der Krise steckt, sind Spenden aus dem eigenen Land versiegt und die TierschützerInnen waren (bzw. sind derzeit immer noch) von unserer Hilfe abhängig.

 

Wir konnten mit euren freigiebigen Spenden auch Marianna finanziell unter die Arme greifen. Die junge Tierschützerin aus Süditalien kümmert sich eigentlich um die Streuner in ihrer Umgebung. Während der Corona-Krise übernahm sie zusätzlich die 40 Hunde einer verstorbenen Frau. Schnell kam Marianna an die Grenzen ihrer Möglichkeiten und wandte sich über Chiara an uns. Auch ihr wurde geholfen und sie konnte Futter für ihre Hunde besorgen.

 

Normalerweise fahren wir regelmäßig von Deutschland aus in die Toskana, um die bereits vermittelten Hunde zu holen. Das war nun einige Wochen nicht möglich, doch die kostenpflichtigen Tierheimplätze (sogenannte Pensionsplätze) auf denen manche Hundehilfe Toskana-Hunde leben, mussten weiter getragen werden. Die Übernahme von Patenschaften haben diese finanzielle Last abgefedert. An dieser Stelle auch herzlichen Dank an alle Paten und Patinnen!

Besonders berührt hat viele das harte Schicksal des jungen Griffons, den wir Lazarus getauft haben. Der einjährige Jagdhund war schon als Welpe mit einem gebrochenen Hinterlauf auf dem Behandlungstisch beim Tierarzt gelandet. Der Besitzer wollte ihn einschläfern lassen. Der Tierarzt behandelte ihn stattdessen und Lazarus musste „seinen jagdlichen Dienst“ fortsetzen. Chiara schickte uns vor kurzem ein Video auf dem neue Verletzungen von Lazarus dokumentiert sind – nichts für schwache Nerven. Bei der Wildschweinjagd wurde dem armen Hund ein Vorderbein mehrfach aufgerissen und schwer verletzt. Lazarus war in einem miserablen Zustand und bekam hochdosiert Antibiotikum verabreicht. Wir sicherten Chiara unsere Unterstützung bei seiner Behandlung zu. Mittlerweile ist Lazarus von unserer Tierärztin operiert worden. Es geht ihm besser und er hat nun ein eigenes Vermittlungsprofil auf unsrer Website: Lazarus – Zuhause gesucht

Es ist wirklich großes Glück, dass wir so mitfühlende UnterstützerInnen haben! Es wird gespendet, Marmelade gekocht, verkauft…und und und.
Nur so ist es der Hundehilfe möglich, eine umfangreiche tierärztliche Behandlung und die Vermittlung von einem vom Schicksal gebeutelten Hund wie Lazarus überhaupt übernehmen zu können. ❤️

 

 

Wo Menschen leiden, leiden Tiere erst recht

Wie steht es um den Tierschutz in der Corona-Krise?

 

Noch vor wenigen Wochen war Corona etwas weit entferntes, was uns hier nicht betrifft. Doch die Situation hat sich in Italien besonders schnell und dramatisch verändert und das vor unseren Augen. Mittlerweile haben wir das Virus in Deutschland und auch unser Leben ist von den neuen Umständen geprägt. Die ehrenamtliche Arbeit der Hundehilfe Toskana war von einem auf den anderen Tag in ihrer Hauptaufgabe – der Vermittlung und dem Transport von italienischen Hunden nach Deutschland – erschwert. Doch für uns ist es selbstverständlich, dass wir die Unterstützung unserer italienischen TierschützerInnen nicht aufgeben – gerade jetzt nicht! Sie helfen den Hunden in normalen Zeiten schon unter komplizierten Bedingungen und erleben im Moment zusätzliche, bedrückende Hindernisse. Unsere Hauptansprechpartnerin und -vertrauensperson Chiara, berichtet von den Erschwernissen, die die Ausgangsbeschränkungen der italienischen Regierung ihr und ihren ehrenamtlichen HelferInnen auferlegen.

Sie schreibt, dass alle seit Anfang März durch den Beschluss der Regierung in ihren Wohnungen bleiben müssen und noch kein Enddatum dieser Ausgangssperre in Aussicht gestellt ist. Alle ItalienerInnen dürfen das Haus nur für Einkäufe (eine Person pro Haushalt) oder aufgrund von gesundheitlichen Notfällen verlassen. Die meisten Menschen können ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen (Stand Mitte April 2020). Soweit sind diese Einschränkungen für uns tatsächlich nachvollziehbar, doch sie gehen weiter, als in Deutschland. Denn Chiara berichtet, dass es verboten ist, die Grenzen der eigenen Gemeinde zu überschreiten. Das ist ein großes Problem für sie. Denn das privat geführte Tierheim, wo ein Teil der Hunde untergebracht ist, die in ihrer Obhut stehen, liegt in einer anderen Gemeinde. Die rund 20 km, die Chiara so oft mit ihrem Auto zurücklegt, sind zu einer scheinbar unüberwindbaren Strecke geworden.

Ein weiterer Epidemie-Beschluss, der einen Riegel vor ihre ehrenamtliche Arbeit schiebt: Ausschließlich Festangestellte des Tierheims dürfen die Hunde versorgen. Normalerweise ist Chiara täglich nach ihrem regulärem Broterwerb im Heim und sieht nach den Hunden. Sie fotografiert und filmt sie für die Vermittlung, sie verabreicht Medikamente, bringt Futterspenden, sie schaut nach dem Rechten, tröstet und kuschelt die Hunde. Die Vierbeiner lechzen nach Aufmerksamkeit der TierschützerInnen und PflegerInnen – der Alltag im Heim ist für sie eintönig und stressig. Es herrscht ein hoher Lärmpegel. Wenige Hunde haben die Möglichkeit, einmal am Tag über die umzäunte Wiese des Tierheims zu flitzen. Selbst dieser einzige Lichtblick fällt unter den gegebenen Umständen flach. Denn die angestellten PflegerInnen dürfen nur das Notwendigste in den Zwingern verrichten: Schnell Füttern, den Boden säubern und wieder raus. Gerade die traumatisierten, ängstlichen Hunde haben nun nicht mal die Chance sich an einen positiven Umgang mit Menschen zu gewöhnen – dafür fehlt schlicht die Zeit.

Chiaras Befürchtung ist, dass einer der Hunde krank wird, da selbst der Besuch beim Tierarzt im Moment nur im absoluten Notfall erlaubt ist. Weitere Einschränkungen gibt es dadurch, dass die Menschen dazu verpflichtet sind einen Passierschein bei sich tragen, sobald sie ihre Wohnung verlassen. Dort müssen Adresse und Ziel eingetragen sein und warum die Person unterwegs ist. Alles hat genau geplant zu werden. Falls die Polizei eine Kontrolle durchführt und etwas nicht stimmt, stehen Strafen aus. Der Organisationsaufwand, den die TierschützerInnen immer haben, hat sich verdoppelt. Jede/r versucht so gut er/sie kann, sich um die Tiere in der näheren Umgebung zu kümmern. Dennoch plagen Chiara die Sorgen um die Hunde im Tierheim. Deren ohnehin schon trübseliger, einsamer Alltag bietet jetzt noch weniger Abwechslung. Zudem rücken die Adoptionen in den Hintergrund. Die wenigen ItalienerInnen die bereit sind, einen Hund aus dem Canile zu übernehmen, dürfen nicht hinein kommen. Die bereits vermittelten Hunde können nicht von Italien nach Deutschland ausreisen. Die Auffangstellen müssen aber für ihre Hunde die Kosten weiterhin tragen. Neue Hunde müssen abgelehnt werden, weil es keine freien Kapazitäten gibt. Dabei ist Ende des Winters die Jagdsaison vorbei – eine Phase, in der die Jäger die „untauglichen“ Hunde gehäuft los werden.

 

In Zeiten von Corona kommen weitere erschwerende Faktoren hinzu.

Menschen, die am Virus sterben und deren Hunde von heute auf morgen ihr Zuhause verlieren, um die sich keiner kümmert. Sie müssten von den TierschützerInnen abgeholt werden, was aufgrund der Ausgangsperre nicht möglich ist. Chiara bereiten auch die Tiere, die auf den Straßen leben, große Sorgen. Wer kümmert sich um die vielen Katzen, die sie sonst in den Nachbardörfern mit füttert? Wer füttert die zahlreichen Streuner in Süditalien, die sich sonst von Essensresten aus den Bars und Restaurants ernähren und die jetzt alle geschlossen sind? Der Norden Italiens ist generell wohlhabender, als der Süden des Landes. Hier sitzen wichtige industrielle Produktionsstätten. Die Corona-Krise hat genau in dieser Region bislang besonders hart zugeschlagen. Menschen, denen es überdurchschnittlich gut ging, haben ihre Einkommensgrundlage verloren. Das geht vielen so und Chiara bemerkt bereits, dass die Hilfen aus dem Norden weniger werden oder ganz abebben. Eine weitere Stütze die ihr weggebrochen ist.

Dabei sind die Tiere in Italien von Mittelmeerkrankheiten wie zum Beispiel Leishmaniose bedroht. Diese Krankheit wird durch Sandmücken übertragen, die in dieser Jahreszeit Fahrt aufnehmen. Um die Hunde vor ihnen und anderen Parasiten zu schützen, legt man eigentlich jetzt Halsbänder an, ähnlich Flohhalsbändern. Chiara hat nicht nur das Problem, dass sie sie einkaufen muss. Man stellt sich vor, wie sie einem Polizisten in einer möglichen Straßenkontrolle erklärt, dass sie auf dem Weg zur Apotheke ist, um Flohhalsbänder zu kaufen… Sie ist zudem auf die Hilfe Dritter angewiesen, um die Halsbänder oder Medikamente überhaupt zu den Hunden zu bekommen. Das Netzwerk der freiwilligen HelferInnen ist nicht groß genug und so sieht sie sich gezwungen, einen Kurierdienst dafür zu bezahlen. Mit verschreibungspflichtigen Medikamenten ist es noch einmal eine andere Sache. Einer der Hunde den Chiara vermittelt, braucht eine bestimmte Arznei für eine nicht lebensbedrohliche Erkrankung. Per Video muss er dem Tierarzt vorgestellt werden, der etwas verschreibt. Doch für die Polizei ist es einfach kein ausreichender Grund das Haus zu verlassen, um das Medikament zu kaufen.

Chiara schreibt, dass sie noch viele Beispiele aufzählen könnte, wie die Krise die Hilfe für die Tiere fast unmöglich macht. Besonders bitter ist, dass sie weiß, wo Hunde in Schuppen und Zwingern abseits von Siedlungen untergebracht sind. Die BesitzerInnen dürfen die Hunde auf ihrem eigenen Land zwar besuchen, aber nicht täglich. Sie befürchtet, dass viele ihre Hunde hungern lassen, weil sie das Risiko einer Kontrolle scheuen. Es sind belastende Gedanken, die sie nicht beiseite schieben kann. In Zeiten, wo viele ihre Hilfe aussetzen, weil sie möglicherweise selbst existenzielle Probleme haben oder sich um Angehörige sorgen, ist es umso wichtiger, dass wir für die TierschützerInnen in Italien und anderen europäischen Ländern da sind.

 

Was jeder tun kann, der gern helfen möchte:

 

  • Das Einfachste ist auf unser Konto zu spenden. Die Hundehilfe Toskana steht in engem Kontakt mit den italienischen HelferInnen und kann dringend benötigte Dinge erfragen, kaufen und verschicken.
  • Eine Patenschaft für einen der Hunde deckt Ausgaben für seine Versorgung. Unsere Ansprechpartnerin für Patenschaften Ute Fuchs hilft bei Fragen dazu gerne weiter!
  • Angebrochene oder abgelaufene Medikamente (z.B. Tabletten gegen Flöhe, Würmer oder Giardien) und die erwähnten Halsbänder gegen Zecken und Sandmücken sind auch als Sachspenden herzlich willkommen. Wir haben eine Spendensammelstelle, an die ihr eure Päckchen versenden könnt. Schreibt eine Mail – wir geben die Adresse gerne weiter: info@hundehilfe-toskana.de
  • Wollt ihr unsere und Chiara’s Arbeit aktiv unterstützen? Sprecht über die Hundehilfe Toskana. Besucht und teilt unsere Website und unsere Social Media Accounts auf Facebook und Instagram.
  • Und wer langfristig einen Hund adoptieren möchte, kann sich natürlich weiterhin bei unseren Vermittlerinnen Diana Vogt und Birgit Mieske melden. Der nächste Transport findet statt, sobald es wieder möglich ist. 🍀