Was ist Dog Walking?

Hundehilfe Toskana hat es ausprobiert

 

Wie ist es eigentlich, wenn man mehr als 10 Hunde spazieren führt? 🐕🐕🐕🐕🐕
Vor kurzem bot sich uns die einmalige Gelegenheit einer professionellen Dog Walkerin aus Berlin bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.

 

Wir verabredeten uns in einem weitläufigen offiziellen Hundeauslaufgebiet 🌳 hinter der nördlichen Stadtgrenze. Die Dog Walkerin kommt regelmäßig mit ihrem mehr oder weniger festen Rudel dorthin und kennt jeden Busch wie ihre Westentasche. An diesem Tag hatte sie 12 Vierbeiner dabei, die mit ihrem Ausführservice vertraut sind. Dazu kamen unsere beiden aus dem Auslandstierschutz. Ich war gespannt, wie sich die insgesamt 14 Hunde verhalten würden. Ob wild getobt werden würde? Oder gerauft?

Erst einmal wurden die Hunde auf dem Parkplatz aus dem Fahrzeug geladen. Da man 12 Hunde, die schon wissen, dass „es jetzt gleich los geht“ nicht unkontrolliert zwischen geparkte und einfahrende Autos springen lässt, dauert das seine Zeit. Nach dem Entladen lief uns die Walkerin mit ihrem angeleinten Rudel voraus in das nicht eingezäunte Auslaufgebiet. Wir folgten im Abstand von etwa 15 m mit unseren Hunden an der Leine. Dabei konnte ich gut beobachten, wie unterschiedlich die Hunde der Gruppe sind: Vom Mops bis zum Labrador und etlichen Varianten an Mischlingen, ist alles dabei.
Bis auf das Fiepen einer nervösen Terrierdame schien die Gruppe ruhig und gab ein harmonisches Bild ab. Die vielen Schleppleinen der Hunde bündelten sich wie ein Strauß Blumen in der Hand unserer Walkerin. Um aus den Leinen kein unentwirrbares Knäuel zu machen, bewegte sie sich aufmerksam, aber entspannt vorwärts und die Tiere mit ihr.

Nach etwa 100 m und der ersten Wegbiegung begann die Dog Walkerin damit, einzelne Hunde abzuleinen, sobald sie aufmerksam und ruhig waren. Mittlerweile durften sich auch unsere beiden frei bewegen und nahmen zunächst zaghaft, aber nett Kontakt mit dem Gassi-Rudel auf. Dann begannen alle lebhafter zu werden. Der braune Podenco, der gern vorausläuft, animierte unseren Rüden es ihm nachzumachen. Zusammen mit einigen anderen Draufgängern stoben sie ins Gebüsch. Die eher gemütlichen Kandidaten trotteten neben oder hinter uns und schnüffelten am Wegrand herum. Die Walkerin behielt immer alle im Blick und rief einzelne Hunde zu sich zurück. Kamen sie prompt angerannt, gabs eine Belohnung. Mich beeindruckte, wie auch dabei alle Hunde freundlich zueinander blieben, obwohl gerade manche ein Leckerli bekamen und andere nicht.

Das Auslaufgebiet ist ziemlich groß, so dass man nicht an jeder Ecke jemandem begegnet. Passiert es dann doch, wissen die meisten BesucherInnen 🏃 🚴, dass Profi-Dog Walker mit ihren Hundegruppen unterwegs sind und nehmen darauf Rücksicht. An diesem Tag liefen an uns ein paar Jogger vorbei und einige private HundebesitzerInnen – das Rudel beschnupperte die anderen freundlich und ging folgsam auf die Seite des Weges, wenn wir sie dazu anwiesen. Begegnet man weiteren Dog Walkern mit ihren Hunden, dann wird durch Zuruf aus einiger Entfernung geklärt, wer wohin möchte. So wird verhindert, dass eine ziemlich große Gruppe an Hunden aufeinander trifft und womöglich den Weg versperrt oder sich einzelne Tiere in die Wolle kriegen.

Auf etwa der Hälfte des Spaziergangs gingen wir die Böschung zu einem Bachlauf 💦 hinunter. Für die Wasserratten ein schönes Highlight zum Baden, für die anderen eine Möglichkeit zu Trinken. Gehts durch ein Auslaufgebiet ohne Wasserzugang – und generell auch für den Durst zwischendurch – hat die Dog Walkerin immer mehrere Näpfe und Wasser dabei. An Lichtungen wird dafür gern mal ein Päuschen eingelegt. Einige Hunde ruhen sich dann aus. Die Aktiven buddeln oder fangen ein Spiel miteinander an.

Als es dann nach gut 2 Stunden wieder in Richtung des Parkplatzes ging, waren unsere beiden Hunde schon so in die Gruppe integriert, als würden sie täglich mitgehen. Besonders unser Rüde strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Ob er früher in Italien bei der Jagd in einer Meute mitgenommen wurde, wissen wir nicht, aber es war für ihn auf jeden Fall der erste Freizeitspaziergang mit so vielen Hunden. Die Anwesenheit der anderen Hunde hatte ihn sichtlich animiert, seine Extrakilometer beim Vor- und Zurückrennen zur Gruppe zu machen. Unsere tiefenentspannte Hündin blieb auf dem gesamten Spaziergang mehr in der unsrer und der Nähe des Rudels und schloss Freundschaft 💛 mit einem ebenfalls ruhigen Dackelrüden.

 

 

Fazit:

 

Kompetente Dog Walker haben ihre Hunde konsequent und stets wohlwollend unter Kontrolle, weil sie sie gut kennen und ihre Gassigruppe achtsam zusammen stellen. Die Dog Walker bieten in der Regel für Interessierte Proberunden an und können einschätzen, ob die Hunde zueinander passen. Als HundebesitzerIn muss man diesen Service bezahlen, aber es ist für die meisten gut sozialisierten und fitten Hunde eine prima Gelegenheit sich auszupowern, ohne überfordert zu werden. Manch unsicherer Hund (wie der kleine Terrier) fühlen sich in der Gruppe wohler als allein. Aber auch ältere Hunde kommen voll auf ihre Kosten, weil die Dog Walker das Tempo der Gruppe anpassen. Grundsätzlich ist es für Stadthunde eine schöne Sache aus der täglichen Routine herauszukommen und sich abgeleint durchs Auslaufgebiet zu bewegen.

Da kein Hund länger als 6 Stunden alleine gelassen werden sollte, kann ein Profi Gassi-Service die optimale Lösung sein, den Hund auszulasten und seine Lebensfreude zu erhalten, wenn man tagsüber nicht zu Hause ist. Der Hund wird abgeholt, zum Auslaufgebiet und auch wieder zurück gebracht. Er hat Kontakt zu Artgenossen und darf sich in verkehrsarmer Landschaft vom Alltagstrott erholen. Dog Walking – oder Ausführservices gibt es überall, nicht nur in Berlin. Einige bieten günstigere Abos für regelmäßige Spaziergänge an. Man sollte aber nicht nur nach dem Preis entscheiden, sondern ob der/die Dog Walker einen Draht zum Hund hat, fachlich kompetent ist und eine positive Einstellung in der Hundeerziehung mitbringt.

Neugierig geworden? Hört euch um – vielleicht kann euch z. B. eure Hundeschule jemanden empfehlen!

💟

 

 

 

Ältere Hunde: Kein altes Eisen!

Adoptieren Sie eine Tierheimperle

 

Manche Hunde haben nicht das Glück, fotogen zu sein. Egal, wie verschmust, liebenswürdig, intelligent, anhänglich und offen sie sein mögen – auf ihrem Profilfoto kommt es einfach nicht rüber. Wenn sie dann noch acht, neun Jahre oder älter sind, körperlich gezeichnet vom Leben beim Jäger oder dem Tierheimalltag, fallen sie bei vielen Interessenten schon durchs Raster.

 

Wir möchten hier einen Aufruf für diese Hunde starten…

 

…und schöpfen aus dem ganzen Repertoire, das diese Tierheimperlen zu bieten haben!
Ältere Hunde haben keine Kinderflausen mehr im Kopf. Sie haben viele (auch schlechte) Erfahrungen durchgemacht und nehmen das Leben wie es kommt. Sie stellen wenig Ansprüche, weil sie nie etwas eigenes hatten. Manche nicht mal etwas zu essen und zu trinken, geschweige denn ein weiches Bettchen. Sie ziehen beizeiten den Flickenteppich auf dem Fliesenboden dem Hundekorb vor, weil es dem, was sie gewohnt sind, am nächsten kommt. Sie freuen sich über jedes freundliche, zugewandte Wort, über sanfte Streicheleinheiten. Sie genießen Spaziergänge und dass sie an einem echten Leben mit Abwechslung teilnehmen dürfen, statt tagein tagaus in ihrem Zwingergefängnis auf irgendetwas zu warten, statt sich zu langweilen. Sie sind zufrieden, wenn sie mal in der Sonne dösen oder sich ins Gras legen dürfen. Sie blühen auf, weil sie nicht mehr hart angepackt, angeschrien oder geschlagen werden und täglich ein voller Napf auf sie wartet. Ergeben und vertrauensvoll lassen sie medizinische Behandlungen zu, wenn sie spüren, dass man es gut mit ihnen meint. Sie suchen Nähe und werden zu wahren Freunden. Und wenn man einmal genau hinschaut, sieht man ihre außergewöhnlichen Persönlichkeiten in ihren Augen.

 

Überzeugen Sie sich selbst von den Tierheimperlen und besuchen Sie auch die Profile älterer oder unscheinbarer Hunde. Ein Foto kann täuschen und das wahre Wesen eines Hundes verschleiern. Unsere VermittlerInnen kennen viele der Hunde auf unserer Website persönlich und beschreiben sie aufrichtig und realistisch. Außerdem können sie bei unseren Kontaktpersonen in Italien weitere Infos erfragen und eventuell mehr Fotos von den Tieren an Sie weiterleiten. Ältere Hunde passen häufig viel besser zu den eigenen Lebensumständen, als man es für möglich hält. Geben Sie den unscheinbaren Hunden in fortgeschrittenem Alter eine Chance, die sie wirklich verdient haben!

 

  • Wer keinen der Hunde in Italien adoptieren kann, aber dennoch unterstützen möchte, tut das am besten mit der Übernahme einer Patenschaft. Mehr Infos dazu hier: Patenschaften.
  • An dieser Stelle sei auch noch auf unser Projekt Jagdhund hingewiesen: Projekt Jaghund.
    Die Hunde aus diesem Projekt sind alle noch beim Jäger, da keine Kapazitäten in unserem Tierheim oder der Pension frei waren, um sie direkt in Sicherheit zu bringen. Die Zeit dieser Hunde läuft ab. Wer sein Herz 💔 an einen der Jagdhunde verloren hat, darf sich ebenfalls gern bei uns melden und wir besprechen alle Möglichkeiten, wie dem Hund am besten geholfen werden kann.

Einen Welpen adoptieren

Dem Kindchenschema verfallen oder beherzt entschieden?

 

Wir können uns alle dem Zauber süßer Gesichter mit Kulleraugen und flauschigem Haar nicht entziehen. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob diese zu einem Menschen- oder einem Hundekind gehören. In der Hundevermittlung kennt man diesen biologisch-psychologischen Effekt nur zu gut. Sobald ein niedlicher Welpe auf der Website veröffentlicht wird, setzt bei manchen Interessenten im wahrsten Sinne des Wortes der Verstand aus und es prasseln sofort zahlreiche Anfragen ins Postfach.

Natürlich ist das auf der einen Seite für uns als Tierschutzverein, der Hunde möglichst schnell in ein richtig gutes Zuhause vermitteln möchte, auch positiv. Denn gerade Welpen und Junghunde brauchen (genau wie Menschenkinder) ein stabiles Umfeld, in dem sie sich zu gesunden Erwachsenen entwickeln können. Im Tierheim oder einer Auffangstelle mit vielen anderen adulten und/oder großen Hunden, kann das manchmal nicht gewährleistet sein. Welpen brauchen die Gesellschaft anderer Welpen. Sie lernen voneinander, erkunden die Welt zusammen und testen Grenzen aus. Welpen brauchen gleichaltrige Spielpartner und es gilt wieder: Genau wie Menschenkinder, die in die Kita oder den Kindergarten gehen. Daher erwarten wir von Interessenten für Welpen und Junghunde, dass sie dazu bereit sind, sich auf die besonderen Bedürfnisse eines sehr jungen Hundes einzustellen.

 

Welpen brauchen das Rundum-Betreuungspaket:

 

  • Sie müssen häufiger raus, um ihr Geschäft zu verrichten.
  • Sie müssen viel Schlafen und auch tagsüber die Möglichkeit für Rückzug und Ruhepausen haben. Vielleicht schlafen sie nachts nicht durch und winseln.
  • Man muss für sie da sein, mit ihnen spielen und die ersten Grundsteine für die Erziehung legen, ohne sie dabei zu überfordern.
  • Man muss geduldig sein und kleine Malheurs und Zerstörungen in der Wohnung akzeptieren. Die Kleinen lernen erst mit der Zeit, was geht und was nicht erlaubt ist.

 

Junge Welpen brauchen zudem physische Nähe, weil sie Schutz bei anderen suchen, wenn sie sich fürchten. Ihr Immunsystem und ihr Bewegungsapparat sind noch nicht vollständig ausgereift. Daher sollten sie auch körperlich nicht überfordert werden. Z.B. können oder sollten Treppen und andere räumliche Hindernisse zu Beginn nicht alleine von ihnen bewältigt werden.

Abgesehen von der körperlichen muss die geistige Entwicklung eines Hundes im Welpenalter unterstützt werden. Viele Hunde (und gemeint sind nicht nur die aus dem Tierschutz, sondern auch die von Züchtern) zeigen als Erwachsene Verhaltensauffälligkeiten, die auf mangelnde Sozialisation oder unzureichende Gewöhnung in der frühen Welpenzeit zurückzuführen sind. Man kann von einem jungen Tier nicht erwarten, dass es alle Gegenstände, Personen und Situationen gelassen hinnimmt, wenn es diese nie kennengelernt hat. Es liegt also in der Verantwortung der HundehalterInnen, den jungen Hunden alle möglichen Dinge behutsam zu zeigen und sie an ein Leben in Menschengesellschaft zu gewöhnen.

 

Wenn Sie immer noch fest entschlossen sind, einen Welpen zu adoptieren, machen Sie hier die Checkliste:

 

  • Habe ich genügend Zeit, mich um einen Welpen zu kümmern? (2 Wochen Urlaub für den Anfang und dann wieder Vollzeit arbeiten ohne organisierte Welpenbetreuung ist unrealistisch)
  • Bringe ich die Seelenruhe und die notwendigen Kenntnisse für die Welpenerziehung mit? Bin ich bereit, die notwendigen Kenntnisse zu erlangen (z.B. über Fachliteratur)?
  • Sind mein Haushalt und alle darin wohnenden Mitglieder (Menschen – insbesondere Kinder – und Haustiere) auf einen Welpen vorbereitet?
  • Bin ich fit genug und nehme mir die Zeit, einen (bald) pubertierenden Hund auszulasten und zu erziehen?
  • Bin ich bereit, dem Welpen die notwendigen Kontakte mit Gleichaltrigen zu verschaffen und dazu ggf. eine Hundeschule (Stichworte „Welpenspielstunde“, „Grunderziehung für Junghunde“) zu besuchen?
  • Möchte ich die Verantwortung für den Hund über den Zeitraum seines gesamten Lebens (bis zu 16 Jahre) übernehmen?

 

Wenn Sie jede Frage mit einem beherzten JA beantworten, ist eine Welpenadoption eine Möglichkeit.
Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit NEIN beantwortet haben, schauen Sie doch auch mal hier rein: Senioren zuhause gesucht

 

Hiergeblieben! Der Anti-Ausbruchguide

Was man tun kann, bevor der Hund davonläuft

 

Die Arbeit im Tierschutz beschert uns viele erfreuliche Momente. Leider passiert es aber auch immer wieder, dass Hunde gerade in ein neues Zuhause eingezogen sind und aus den verschiedensten Gründen abhanden kommen. Zum Glück werden sie oft gefunden! Das aber nicht ohne Stress, Tränen und Sorgen seitens der BesitzerInnen. Damit alle frisch gebackenen HundehalterInnen sich im Vorfeld optimal auf die Neuankömmlinge einstimmen können, haben wir einen bebilderten Anti-Ausbruchguide erarbeitet. Er steht hier zur freien, privaten Nutzung bereit: AntiAusbruchguideNEU

Wichtiger Hinweis:

Es wäre schön, wenn jeder Download von euch durch eine Spende (in Höhe von z.B. 5 €) auf das Hundehilfe Toskana-Konto kompensiert wird. Eure Spenden haben großen Anteil an der Versorgung der Hunde in unserem Partnertierheim und den anderen Auffangstellen in Italien. Danke & viel Spaß beim Lesen!

Hundehilfe Toskana e.V.
Kreissparkasse Mainfranken Würzburg
IBAN: DE36 7905 0000 0048 8875 90
BIC: BYLADEM1SWU

Was passiert eigentlich mit Spenden?


Mit verschiedenen Aktionen – u.a. einer Whatsapp-Auktion oder durch den Verkauf von Stoffmasken – haben wir in letzter Zeit (Stand: Anfang Mai 2020) dazu aufgerufen, an die Hundehilfe Toskana zu spenden oder dadurch Spenden generiert. Es freut uns sehr, dass dem viele Menschen nachgekommen sind und unserem jungen Verein ihr Vertrauen geschenkt haben. Hier möchten wir einen Einblick geben, was wir eigentlich mit dem Geld finanzieren.

Ende April bekamen wir von einer italienischen Auffangstelle, die wir unterstützen, eine ganze Reihe Fotos zugesendet. Darauf zu sehen sind die zahlreichen Schutzhalsbänder mit den Hunden, die sie nun tragen. Die Bänder sind relativ teuer, aber der beste und einfachste Schutz gegen die Sandmücke, die in Italien die Mittelmeerkrankheit Leishmaniose überträgt. Zudem hatte sich die etwas abseits auf dem Land gelegene Auffangstelle dringend benötigtes Futter durch unsere Finanzspritze schicken lassen können. Auf dieser Stelle sind Dutzende Hunde untergebracht – ein paar Säcke würden kaum ausreichen. Bei 50 Hunden sind 500 kg Trockenfutter in 40 Tagen verbraucht und der Bedarf ist entsprechend immer groß.

Die Auffangstellen hatten während des Höhepunktes des Corona-Lockdowns wie alle Privatpersonen das Problem, dass sie nicht einfach so zum Tierarzt oder zum Tierfachhandel fahren konnten (wir haben darüber berichtet). Da ganz Italien in der Krise steckt, sind Spenden aus dem eigenen Land versiegt und die TierschützerInnen waren (bzw. sind derzeit immer noch) von unserer Hilfe abhängig.

 

Wir konnten mit euren freigiebigen Spenden auch Marianna finanziell unter die Arme greifen. Die junge Tierschützerin aus Süditalien kümmert sich eigentlich um die Streuner in ihrer Umgebung. Während der Corona-Krise übernahm sie zusätzlich die 40 Hunde einer verstorbenen Frau. Schnell kam Marianna an die Grenzen ihrer Möglichkeiten und wandte sich über Chiara an uns. Auch ihr wurde geholfen und sie konnte Futter für ihre Hunde besorgen.

 

Normalerweise fahren wir regelmäßig von Deutschland aus in die Toskana, um die bereits vermittelten Hunde zu holen. Das war nun einige Wochen nicht möglich, doch die kostenpflichtigen Tierheimplätze (sogenannte Pensionsplätze) auf denen manche Hundehilfe Toskana-Hunde leben, mussten weiter getragen werden. Die Übernahme von Patenschaften haben diese finanzielle Last abgefedert. An dieser Stelle auch herzlichen Dank an alle Paten und Patinnen!

Besonders berührt hat viele das harte Schicksal des jungen Griffons, den wir Lazarus getauft haben. Der einjährige Jagdhund war schon als Welpe mit einem gebrochenen Hinterlauf auf dem Behandlungstisch beim Tierarzt gelandet. Der Besitzer wollte ihn einschläfern lassen. Der Tierarzt behandelte ihn stattdessen und Lazarus musste „seinen jagdlichen Dienst“ fortsetzen. Chiara schickte uns vor kurzem ein Video auf dem neue Verletzungen von Lazarus dokumentiert sind – nichts für schwache Nerven. Bei der Wildschweinjagd wurde dem armen Hund ein Vorderbein mehrfach aufgerissen und schwer verletzt. Lazarus war in einem miserablen Zustand und bekam hochdosiert Antibiotikum verabreicht. Wir sicherten Chiara unsere Unterstützung bei seiner Behandlung zu. Mittlerweile ist Lazarus von unserer Tierärztin operiert worden. Es geht ihm besser und er hat nun ein eigenes Vermittlungsprofil auf unsrer Website: Lazarus – Zuhause gesucht

Es ist wirklich großes Glück, dass wir so mitfühlende UnterstützerInnen haben! Es wird gespendet, Marmelade gekocht, verkauft…und und und.
Nur so ist es der Hundehilfe möglich, eine umfangreiche tierärztliche Behandlung und die Vermittlung von einem vom Schicksal gebeutelten Hund wie Lazarus überhaupt übernehmen zu können. ❤️

 

 

Wo Menschen leiden, leiden Tiere erst recht

Wie steht es um den Tierschutz in der Corona-Krise?

 

Noch vor wenigen Wochen war Corona etwas weit entferntes, was uns hier nicht betrifft. Doch die Situation hat sich in Italien besonders schnell und dramatisch verändert und das vor unseren Augen. Mittlerweile haben wir das Virus in Deutschland und auch unser Leben ist von den neuen Umständen geprägt. Die ehrenamtliche Arbeit der Hundehilfe Toskana war von einem auf den anderen Tag in ihrer Hauptaufgabe – der Vermittlung und dem Transport von italienischen Hunden nach Deutschland – erschwert. Doch für uns ist es selbstverständlich, dass wir die Unterstützung unserer italienischen TierschützerInnen nicht aufgeben – gerade jetzt nicht! Sie helfen den Hunden in normalen Zeiten schon unter komplizierten Bedingungen und erleben im Moment zusätzliche, bedrückende Hindernisse. Unsere Hauptansprechpartnerin und -vertrauensperson Chiara, berichtet von den Erschwernissen, die die Ausgangsbeschränkungen der italienischen Regierung ihr und ihren ehrenamtlichen HelferInnen auferlegen.

Sie schreibt, dass alle seit Anfang März durch den Beschluss der Regierung in ihren Wohnungen bleiben müssen und noch kein Enddatum dieser Ausgangssperre in Aussicht gestellt ist. Alle ItalienerInnen dürfen das Haus nur für Einkäufe (eine Person pro Haushalt) oder aufgrund von gesundheitlichen Notfällen verlassen. Die meisten Menschen können ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen (Stand Mitte April 2020). Soweit sind diese Einschränkungen für uns tatsächlich nachvollziehbar, doch sie gehen weiter, als in Deutschland. Denn Chiara berichtet, dass es verboten ist, die Grenzen der eigenen Gemeinde zu überschreiten. Das ist ein großes Problem für sie. Denn das privat geführte Tierheim, wo ein Teil der Hunde untergebracht ist, die in ihrer Obhut stehen, liegt in einer anderen Gemeinde. Die rund 20 km, die Chiara so oft mit ihrem Auto zurücklegt, sind zu einer scheinbar unüberwindbaren Strecke geworden.

Ein weiterer Epidemie-Beschluss, der einen Riegel vor ihre ehrenamtliche Arbeit schiebt: Ausschließlich Festangestellte des Tierheims dürfen die Hunde versorgen. Normalerweise ist Chiara täglich nach ihrem regulärem Broterwerb im Heim und sieht nach den Hunden. Sie fotografiert und filmt sie für die Vermittlung, sie verabreicht Medikamente, bringt Futterspenden, sie schaut nach dem Rechten, tröstet und kuschelt die Hunde. Die Vierbeiner lechzen nach Aufmerksamkeit der TierschützerInnen und PflegerInnen – der Alltag im Heim ist für sie eintönig und stressig. Es herrscht ein hoher Lärmpegel. Wenige Hunde haben die Möglichkeit, einmal am Tag über die umzäunte Wiese des Tierheims zu flitzen. Selbst dieser einzige Lichtblick fällt unter den gegebenen Umständen flach. Denn die angestellten PflegerInnen dürfen nur das Notwendigste in den Zwingern verrichten: Schnell Füttern, den Boden säubern und wieder raus. Gerade die traumatisierten, ängstlichen Hunde haben nun nicht mal die Chance sich an einen positiven Umgang mit Menschen zu gewöhnen – dafür fehlt schlicht die Zeit.

Chiaras Befürchtung ist, dass einer der Hunde krank wird, da selbst der Besuch beim Tierarzt im Moment nur im absoluten Notfall erlaubt ist. Weitere Einschränkungen gibt es dadurch, dass die Menschen dazu verpflichtet sind einen Passierschein bei sich tragen, sobald sie ihre Wohnung verlassen. Dort müssen Adresse und Ziel eingetragen sein und warum die Person unterwegs ist. Alles hat genau geplant zu werden. Falls die Polizei eine Kontrolle durchführt und etwas nicht stimmt, stehen Strafen aus. Der Organisationsaufwand, den die TierschützerInnen immer haben, hat sich verdoppelt. Jede/r versucht so gut er/sie kann, sich um die Tiere in der näheren Umgebung zu kümmern. Dennoch plagen Chiara die Sorgen um die Hunde im Tierheim. Deren ohnehin schon trübseliger, einsamer Alltag bietet jetzt noch weniger Abwechslung. Zudem rücken die Adoptionen in den Hintergrund. Die wenigen ItalienerInnen die bereit sind, einen Hund aus dem Canile zu übernehmen, dürfen nicht hinein kommen. Die bereits vermittelten Hunde können nicht von Italien nach Deutschland ausreisen. Die Auffangstellen müssen aber für ihre Hunde die Kosten weiterhin tragen. Neue Hunde müssen abgelehnt werden, weil es keine freien Kapazitäten gibt. Dabei ist Ende des Winters die Jagdsaison vorbei – eine Phase, in der die Jäger die „untauglichen“ Hunde gehäuft los werden.

 

In Zeiten von Corona kommen weitere erschwerende Faktoren hinzu.

Menschen, die am Virus sterben und deren Hunde von heute auf morgen ihr Zuhause verlieren, um die sich keiner kümmert. Sie müssten von den TierschützerInnen abgeholt werden, was aufgrund der Ausgangsperre nicht möglich ist. Chiara bereiten auch die Tiere, die auf den Straßen leben, große Sorgen. Wer kümmert sich um die vielen Katzen, die sie sonst in den Nachbardörfern mit füttert? Wer füttert die zahlreichen Streuner in Süditalien, die sich sonst von Essensresten aus den Bars und Restaurants ernähren und die jetzt alle geschlossen sind? Der Norden Italiens ist generell wohlhabender, als der Süden des Landes. Hier sitzen wichtige industrielle Produktionsstätten. Die Corona-Krise hat genau in dieser Region bislang besonders hart zugeschlagen. Menschen, denen es überdurchschnittlich gut ging, haben ihre Einkommensgrundlage verloren. Das geht vielen so und Chiara bemerkt bereits, dass die Hilfen aus dem Norden weniger werden oder ganz abebben. Eine weitere Stütze die ihr weggebrochen ist.

Dabei sind die Tiere in Italien von Mittelmeerkrankheiten wie zum Beispiel Leishmaniose bedroht. Diese Krankheit wird durch Sandmücken übertragen, die in dieser Jahreszeit Fahrt aufnehmen. Um die Hunde vor ihnen und anderen Parasiten zu schützen, legt man eigentlich jetzt Halsbänder an, ähnlich Flohhalsbändern. Chiara hat nicht nur das Problem, dass sie sie einkaufen muss. Man stellt sich vor, wie sie einem Polizisten in einer möglichen Straßenkontrolle erklärt, dass sie auf dem Weg zur Apotheke ist, um Flohhalsbänder zu kaufen… Sie ist zudem auf die Hilfe Dritter angewiesen, um die Halsbänder oder Medikamente überhaupt zu den Hunden zu bekommen. Das Netzwerk der freiwilligen HelferInnen ist nicht groß genug und so sieht sie sich gezwungen, einen Kurierdienst dafür zu bezahlen. Mit verschreibungspflichtigen Medikamenten ist es noch einmal eine andere Sache. Einer der Hunde den Chiara vermittelt, braucht eine bestimmte Arznei für eine nicht lebensbedrohliche Erkrankung. Per Video muss er dem Tierarzt vorgestellt werden, der etwas verschreibt. Doch für die Polizei ist es einfach kein ausreichender Grund das Haus zu verlassen, um das Medikament zu kaufen.

Chiara schreibt, dass sie noch viele Beispiele aufzählen könnte, wie die Krise die Hilfe für die Tiere fast unmöglich macht. Besonders bitter ist, dass sie weiß, wo Hunde in Schuppen und Zwingern abseits von Siedlungen untergebracht sind. Die BesitzerInnen dürfen die Hunde auf ihrem eigenen Land zwar besuchen, aber nicht täglich. Sie befürchtet, dass viele ihre Hunde hungern lassen, weil sie das Risiko einer Kontrolle scheuen. Es sind belastende Gedanken, die sie nicht beiseite schieben kann. In Zeiten, wo viele ihre Hilfe aussetzen, weil sie möglicherweise selbst existenzielle Probleme haben oder sich um Angehörige sorgen, ist es umso wichtiger, dass wir für die TierschützerInnen in Italien und anderen europäischen Ländern da sind.

 

Was jeder tun kann, der gern helfen möchte:

 

  • Das Einfachste ist auf unser Konto zu spenden. Die Hundehilfe Toskana steht in engem Kontakt mit den italienischen HelferInnen und kann dringend benötigte Dinge erfragen, kaufen und verschicken.
  • Eine Patenschaft für einen der Hunde deckt Ausgaben für seine Versorgung. Unsere Ansprechpartnerin für Patenschaften Ute Fuchs hilft bei Fragen dazu gerne weiter!
  • Angebrochene oder abgelaufene Medikamente (z.B. Tabletten gegen Flöhe, Würmer oder Giardien) und die erwähnten Halsbänder gegen Zecken und Sandmücken sind auch als Sachspenden herzlich willkommen. Wir haben eine Spendensammelstelle, an die ihr eure Päckchen versenden könnt. Schreibt eine Mail – wir geben die Adresse gerne weiter: info@hundehilfe-toskana.de
  • Wollt ihr unsere und Chiara’s Arbeit aktiv unterstützen? Sprecht über die Hundehilfe Toskana. Besucht und teilt unsere Website und unsere Social Media Accounts auf Facebook und Instagram.
  • Und wer langfristig einen Hund adoptieren möchte, kann sich natürlich weiterhin bei unseren Vermittlerinnen Diana Vogt und Birgit Mieske melden. Der nächste Transport findet statt, sobald es wieder möglich ist. 🍀

 

 

„Vom Angsthund zum Schoßhund“

„Vom Angsthund zum Schoßhund“

Mit diesem Bericht möchte ich euch gern die Geschichte von Bracco und seinem Bruder Micco erzählen!

Vorab sei gesagt, dass wir uns im Frühjahr 2019 spontan als Not-Pflegestelle für zwei Fellnasen gemeldet haben, damit ihnen die Umsetzung in ein furchtbares staatliches Canile erspart bleibt. Egal, welches Alter oder wie sie ausschauen, die die es am dringendsten brauchten… das war uns wichtig.

Es war der 13.04.2019… ein Samstag! Schon vorher reiste ich an Ort und Stelle, um ausgeruht morgens meine beiden neuen Fellkinder in Empfang zu nehmen. Ich wusste, dass es eher ängstliche Hunde sind. Im Auto war alles vorbereitet und meine Spannung stieg ins Unermessliche. Was erwartete mich?

Und da kam er dann, der Transporter, mit all den Vierbeinern an Bord, die voller Vorfreude erwartet wurden. Ich erspähte einen Blick hinein, als die Türen sich öffneten. Und da sah ich den ersten meiner Buben… verängstigt kauernd an die hinterste Ecke seiner Transportbox gedrückt. Dann sah ich seinen Bruder… wer wer war, konnte ich zu diesem Zeitpunkt kaum sagen, ich konnte beide noch nicht wirklich auseinanderhalten, das gebe ich ehrlich zu. (Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich Micco zuerst gesehen habe).

Ich öffnete die Box bei meinem Bracco… dieses Häufchen Elend voller Panik und Entsetzen in den Augen zu sehen, schnürte mir das Herz zu. Er drückte sich so weit weg, wie es ihm möglich war, er wich meinem Blick aus… Dieser Moment muss für ihn der Schlimmste überhaupt gewesen sein. Ich legte ihm das Sicherheitsgeschirr an, seinem Bruder Micco dann auch. Dann ging ich gemeinsam mit ihnen, damit sie sich lösen konnten. Es war tatsächlich schon eine erste Verbindung da, sie gingen mit mir mit. Die Leine kannten sie aber vermutlich schon aus der Auffangstation.

Nachdem alles erledigt war, setzte ich sie beide in mein Auto, verabschiedete mich und fuhr los… auf uns warteten 600 km bis nach Hause. Aber das war auch gut so, denn sie haben einfach nur geschlafen, tief und fest, weich und warm, konnten ihre Ängste mal kurz vergessen.

Zuhause angekommen gingen wir wieder Gassi, auch da vorsichtig aber ohne Probleme. Das Zusammenführen mit unseren Hunden klappte auch wunderbar. Dafür war im Haus eigentlich alles gruselig: Der Fernseher, der Geschirrspüler, das Flasche öffnen – einfach alles… wenn wir uns bewegten wurden sie nervös. Und dann schliefen sie wieder. In den ersten Nächten blieb ich bei ihnen, sie kuschelten sich an mich heran, lernten, dass es bei mir nur Liebe, Zuneigung und Futter gab.

Übrigens ist genau das der Schlüssel zum Erfolg gewesen: Die Bindung baute sich langsam, aber stetig durch eben diesen ruhigen Körperkontakt auf. Der erste große Schritt in die richtige Richtung war wohl der Moment, als er Micco und später Bracco von sich aus eine Streicheleinheit einforderten. Es war ein Moment des Glücks, zu spüren, dass sie mir nun vertrauten.

In den ersten Wochen und Monaten machten wir viele Schritte vorwärts, aber doppelt so viele auch zurück. Aber sie wurden sichtlich lockerer, vergaßen ihre Ängste und entwickelten eine Freude am Leben. Beide saßen geschätzte 8 Jahre im Heim, ohne Liebe, ohne wärmende Hände und die regelmäßige Aufmerksamkeit, welche sie so dringend brauchten. Statt dem Menschen zu vertrauen, lernten sie ihnen zu misstrauen. Mit knappen 65 cm Schulterhöhe und guten 30 kg waren beide auch keine kleinen Pfiffis, die man einfach auf den Arm nehmen konnte. Das Futterverhalten zeigte auch schnell, wer auf den Einsatz von Leckerchen gut reagierte. Micco hat immer seinen Napf fein säuberlich leer geschleckt, und gerne Leckerlies angenommen. Bracco hatte in den ersten Wochen arge Vertrauensprobleme beim Fressen, oft fraß er gar nicht und wir machten uns große Sorgen. Er kam wohlgenährt und rund bei uns an und verlor innerhalb weniger Tage deutlich an Gewicht. Wir haben etliche Stunden in der Küche verbracht, um ihm schmackhafte 5-Sterne-Menüs vorzusetzen.

Aber irgendwann hörte es auf, denn er hatte gelernt, dass ihm nicht zustoßen wird, auch wenn er sich bei der Mahlzeit ganz auf sein Fressen konzentrierte.

Sie entdeckten das Rennen, Buddeln, Mäuse jagen und Kuscheln für sich. Das regelmäßige gute Essen wurde immer beliebter und machte sich an Fell und Körper bemerkbar. Wir waren oft so erstaunt, welch riesige Fellbüschel die beiden verlieren und wir haben sie ausnahmslos JEDEN Abend draußen kämmen müssen. Das anfangs talgige, schuppige Fell verlor sich nach und nach. Es entwickelte sich ein gesund schimmernder Glanz auf ihrem Pelz.

Sie strotzten mit mittlerweile ca. 9 Jahren nur so vor Energie. Unser Tierarzt war sich sicher, einen wesentlich jüngeren Hund vor sich zu haben, als er Bracco sah.

Auch das Thema Tierarzt war natürlich ganz speziell, dieser Mensch, der sie untersuchen wollte, war wohl der gruseligste Zweibeiner schlechthin. Bracco wollte beim ersten Tierarztbesuch möglichst zügig aus dem Fenster fliehen – ein Glück war es verschlossen. Micco versteckte sich zwischen meinen Beinen und ließ alles über sich ergehen. Aber schon am Fellverlust konnte man ihren Stress erahnen. Da man nun nicht regelmäßig (im Normalfall) alle paar Tage zum Tierarzt fährt, wird diese Angst wohl auch bestehen bleiben. Aber damit lässt sich leben, da sie weder aggressiv noch abwehrend auftreten. Sie lassen die Behandlung einfach zu und sind froh, dass wir da sind, um sie zu beschützen.

Allgemein ist ihre Angst vor fremden Menschen, Radfahrer, umgekippten Mülltonnen und sonstigen kleinen Veränderungen so tief verankert, dass wir diesen Teil ihres Wesens wohl nicht mehr therapieren können. Aber wir können ihnen diese Panik nehmen, Sicherheit geben und für sie da sein in all den angsteinflößenden Situationen. Es ist zudem nicht unser Anspruch, dass unsere Hunde zwingend gesellschaftstauglich sein müssen und in souverän durch Stresssituationen gehen müssen. Ihre Zufriedenheit und ihr Glück reichen uns völlig aus. Die Bindung, die sie abrufbar macht ist das, worauf es ankommt. Sie sind nicht mehr allein, leben in einem ausgeglichenen Rudel und sind der Witterung (in jeglicher Form) nicht mehr ausgeliefert. Vermutlich muss schon früh in der Prägungsphase etwas passiert sein, dass sich diese ausgeprägte Form der Angst festgesetzt hat. In einer „normalen“ Familie mit Kind und Kegel mitten in der Stadt oder im Vorort könnten Micco und Bracco nicht leben, die äußeren Reize und Geräusche würden ihre Ängste nur mehr verstärken. Zudem der – vor allem bei Bracco – ausgeprägte Jagdinstinkt natürlich händelbar sein muss, die Erfahrung für solche Jagdhunde sollte in diesem Fall gegeben sein.

Bei Segugi-Maremmano-Mischlingen spielt der Charakter in der Ausprägung der Instinkte eine große Rolle. Viele dieser Mischlinge sind wunderbare, freundliche und aufgeschlossene Familienhunde. Mit gutem Training und der Besuch in einer Hundeschule wächst man wunderbar zusammen. Bei den Brüdern wäre ein Besuch in der Hundeschule wohl einem Akt der Misshandlung gleichgekommen.

Auch der Hütewillen und Schutzinstinkt des Maremmanos kommt immer mal wieder durch, sie beschützen lautstark Haus und Hof – solange der Zaun dazwischen ist.

Alles schien gut… bis unser Micco leider urplötzlich an Leptospirose erkrankte, trotz Impfung. 4 Tage lang kämpften wir um sein Überleben – leider haben wir diesen Kampf verloren. Das Schicksal machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Jetzt, wo sein neues Leben endlich richtig begonnen hatte, wurde es ihm so unfair genommen. Wir waren fassungslos und erstarrt vor Schmerz. Im ersten Moment nach dem Begreifen seines Verlusts flackerte ein Gedanke auf, der mich lange quälte. Ich hatte den beiden ängstlichen Brüdern ein Leben in Frieden und Sicherheit versprochen, mit Spaß, Glück und Geborgenheit. Micco nach knapp 7 Monaten zu verlieren, brach mir einfach das Herz. Denn ich konnte mein Versprechen an ihn nicht einhalten. so irrational es klingen mag, aber es fühlte sich an, als hätte ich ihn im Stich gelassen. Bis die Einsicht kam, dass wir einfach machtlos waren gegen diesen Erreger, der ihn so brutal und unvorhergesehen aus dem Leben gerissen hat. Wir haben ihm gezeigt, was Liebe und Geborgenheit beudetet, wie ein richtiges Leben aussehen kann und wir waren bei ihm, als er seine letzten Atemzüge machte. Umgeben von den Menschen, die er liebte und denen er vertraute. Wir haben ihm gut zugesprochen und gestreichelt, ich habe ihm versprochen, dass wir immer auf seinen Bruder aufpassen werden und er es gut haben wird. Wir hoffen sehr, dass wir dieses Versprechen halten können.

Dennoch: Sein Verlust klafft tief, es entstand eine Leere, die nichts zu füllen vermochte…

Bracco trauerte nur wenige Tage um seinen Bruder, suchte ihn nicht mehr lang, denn Halt hatte er durch unsere beiden Vierbeiner (auch beide aus der Rettung) … und natürlich durch uns. Für ihn ging sein Traum weiter.

Mein großer weißer „Babybär“ – wie ich ihn immer nenne – entwickelte sich prächtig weiter, und vor allem entstand eine tiefe, emotionale Bindung zwischen ihm und mir. Er sucht meine Nähe, rennt freudestrahlend und lächelnd auf mich zu und… man sieht ihm sein Glück einfach an. Und ihn weiter zu vermitteln, weil es ja Pflegehunde waren, kam einfach nicht mehr infrage. Das könnt ihr euch denken, oder? Bracco kam aus dem Nichts sozusagen zu uns, hat in seinem Leben viele Ängste durchlitten und eine innere Angst entwickelt, die ihm keiner zu nehmen vermag – ihn in andere Hände zugeben, nach dem er sogar noch seine einzige Konstante – seinen Bruder Micco – verloren hatte, würde wohl an Tierquälerei grenzen. Und wenn wir es uns ganz ehrlich eingestehen, wissen wir auch, dass selbst, wenn Micco noch am Leben wäre, wir beide nicht mehr hergegeben hätten. Aber diese Erkenntnis kam eben erst als es irgendwie zu spät dafür war.

Nun lebt Micco in Bracco weiter, und dass er bei uns ist, ist mein größtes Glück. Solange er lebt, wird er bei uns sein, wird Liebe und Wärme erfahren und keine Ängste mehr durchleben müssen… zumindest nicht allein. Er lebt nun seine zweite Jugend, so wie wir es nennen. Der große Rüde beginnt zu spielen, mit drolligen 5-Minuten durch den Garten zu wetzen und sich direkt im Anschluss wie ein Irrer auf der Couch zu wälzen. Wenn mal eine Hundedame anwesend ist, die nicht fest ins Rudel gehört, lässt er seinen italienischen Charme spielen und verzaubert die Damenwelt – sanft, selbstbewusst und seines gutes Aussehens bewusst. Genauso wie er mein Herz erobert hat.

Und das ist das größte Geschenk: Seine Lebensfreude und seinen liebevollen Charakter zu sehen, ist der Lohn für all die Sorgen, die man anfangs hatte. Und es ist der Lohn für seine Retter – die TierschützerInnen, hier in Deutschland und in Italien, die keinen einzigen ihrer Schützlinge aufgeben, so schwer vermittelbar sie auch scheinen mögen.

Mein Appell an alle: Warum seid ihr im Tierschutz tätig? Oder noch viel besser: Warum seid ihr es nicht?

Irgendwann am Lebensabend im Bett zu liegen und zu wissen, dass man zwar nicht die ganze Welt retten konnte, dafür aber die ganze Welt eines Tieres, ist ein Gedanke, mit dem man Lebewohl sagen kann…

Der Transport – oder die Reise ins Glück

Der Transport

…oder aber: Die Reise ins Glück!

Zum seriösen Tierschutz gehört natürlich auch ein gut organisierter und sicherer Transport für unsere Schützlinge. Immerhin liegt ihr Leben in unseren Händen.

Von unseren TierschützerInnen in der Toskana bekommen wir die ersten News und auch Fotos, manchmal sogar Videos von den Hunden, die unbedingt ein neues Zuhause suchen. Wir verpacken die Informationen in Texte und veröffentlichen das Material.

Interessenten, Unterstützer und Freunde melden sich dann für den ersten Kontakt, es folgen Erstgespräche, Vorkontrollen und der Austausch von Daten. Soweit so gut – und wie geht es dann weiter?

Da wir gern mit viel Transparenz und Informationen agieren, möchten wir euch den weiteren Weg veranschaulichen. Umso größer wird die Freude für die zukünftigen Hundeeltern und auch für Unentschlossene, die sich noch nicht sicher sind.

Schon ein paar Tage vor der eigentlichen Ankunft in Deutschland geht es für 3 engagierte Helfer und Mitglieder los. Das Reisemobil, ein geräumiger Transporter wird bereits am Tag vor der Hinreise beladen mit allen Spenden, Futter, Hundebetten und natürlich den einzelnen Boxen für unsere wertvolle Fracht. Alles gut verzurrt und nochmal kontrolliert, ertönt 5 Uhr morgens, in aller Früh, der Startschuss.

Das wichtigste für unsere Helfer, die den langen Weg auf sich nehmen sind ausreichend frische Wäsche und vor allem GUTE LAUNE. Die Fahrt ist sowohl für die mentale Einstellung als auch für den Ablauf vor Ort immens wichtig, denn gut geplant ist besser als gut gemeint.

Die Reise und die Tage vor Ort sind anstrengend, die Nächte kurz und die emotionalen Eindrücke nichts für schwache Nerven. Angekommen in der Toskana wird die Unterkunft bezogen – auspacken, frisch machen und schon geht’s weiter zu unseren Kontakten in der Toskana. Die Begrüßung ist immer ein Highlight, man lacht, man tauscht sich aus und es wird natürlich gegessen. Die nächsten Tage werden durchorganisiert und besprochen. In der kurzen Zeit möchten unsere reisenden Helfer so viel wie möglich schaffen und helfen.

Nach der ersten Nacht in der Toskana wird ein starker Kaffee (oder ein schwarzer Tee) zum Lebenselixier der Helfer, denn Zeit zum Ausruhen bleibt nicht: Spenden werden ausgeladen, sortiert, teilweise wieder verladen (um sie zu anderen Auffangstationen zu bringen). Im Canile warten die meisten der Hunde, denn die Begrüßung der vierbeinigen Schützlinge hat es in sich: Zum einen die Freude für die, die es geschafft haben und mit zurückreisen dürfen und dann noch die Trauer über die, die noch ausharren müssen. Es werden viele Fotos und Videos gemacht, so viele Informationen wie möglich eingeholt über jeden einzelnen Hund und auch teilweise vermessen. Auch die Neuzugänge sollen möglichst viel von der wenigen Zeit erhalten, damit auch diese wichtigen Informationen abgespeichert werden können. Und natürlich, der schöne Part daran: Es wird viel gekuschelt und gestreichelt, wenigstens ein bisschen Liebe spenden, solange man ein paar Minuten erübrigen kann. Die Schützlinge freuen sich oft so sehr über diese Aufmerksamkeiten, dass sie durchdrehen vor Freude. Auch das ist dann wieder der Energieschub, der jedem einzelnen Tierschützer die Wichtigkeit seiner Arbeit verdeutlicht.

So ist auch der erste Tag fast vorbei. Beim gemeinsamen Abendessen lassen alle die Eindrücke Revue passieren und gehen gespannt und voller Tatendrang dem nächsten Tag entgegen.

Die nächsten Tage gestalten sich ähnlich, die verschiedenen Auffangstationen und privaten Pflegestellen werden besucht, manchmal fahren die Helfer sogar direkt zu den Jägern vor Ort. Auch das ist nicht immer ungefährlich.

Die Helfer beschreiben die Tage als eine Achterbahn der Gefühle, es ist anstrengend – körperlich als auch emotional – aber sie wissen, wofür sie all das auf sich nehmen: Für all die armen Seelen, die einfach nur leben möchten.

Der Informationsfluss ist überwältigend, es ist langatmig, aufwühlend, wirr, durcheinander trotz guter Planung, traurig und hoffnungsvoll zugleich. Die Tage vergehen wie im Flug. Für diese Arbeit im Tierschutz muss das Herz weich sein mit einer Ummantelung aus Stahl. Immer wieder erinnert sich ein jeder Helfer daran, dass diese Reise eine Reise ins Glück sein wird. Noch nicht für alle, aber dass auch die Zurückgebliebenen vielleicht beim nächsten Mal auf der Glücksliste stehen…

Am Tag vor der Abreise werden die Boxen eingerichtet, Decken und Handtücher als weiches Polster ausgelegt, jede Box mit einem Namen versehen und die Sicherung kontrolliert. Denn Sicherheit steht hier natürlich an oberster Stelle – gepfuscht wird hier nicht! Ein paar Stunden zum Ruhen müssen dann auch nochmal sein!

Dann kommt der große Abschied, Tschüß und Bis bald heißt es dann, auch hier fließt wieder die ein oder andere Träne… auf allen Seiten.

Am Abend wird verladen, die Glückshunde, die ausreisen dürfen, verstehen natürlich nicht, was jetzt gerade passiert. Sie werden behutsam in ihr Reiseabteil gesetzt, manche der Vierbeiner sind ängstlich, manche auch sehr ruhig oder sehr aufgeregt.

Sobald die wertvolle Fracht sicher und gut untergebracht ist, ertönt wieder der Startschuss: Die lange nächtliche Reise kann losgehen. Die Helfer sind ausgelaugt, aber wach und vor allem wachsam. Der Verkehr lässt sich immer besser mit 4 oder 6 Augen überwachen, und auch mehr Ohren können die Geräusche aus dem Laderaum vernehmen.

Und dann ist es endlich so weit… endlich… jeder fiebert dem Moment entgegen: Der Transporter fährt auf dem Gelände der Ankunft vor. Aufgeregt und voller Vorfreude warten dort schon Familien, Freunde, Helfer und Pflegestellen. Dann erscheint nach und nach ein Hund nach dem anderen. Auch hier fließen manchmal Tränen, es geht so schnell, dass man kaum beschreiben kann, was um sich herum geschieht.

Es wird gestreichelt, gekuschelt, kurze Runden gelaufen, beschnuppert, Geschirre anprobiert. Und auch die Zweibeiner unterhalten sich angeregt. Und plötzlich ist es wie immer: nach dem Transport ist vor dem Transport.

Denn in naher Zukunft geht das Ganze wieder von vorn los – sobald die nächste Reise ins Glück startet.

Wir kommen an unsere Grenze…

❗️Wir kommen an unsere Grenzen ❗️

***Dringender Aufruf für Pflege- und Endstellen***

Immer wieder erreichen uns Notrufe aus der Toskana. Jäger wollen ihre Hunde abgeben, weil sie sie nicht mehr brauchen o.Ä. (und man kann von Glück reden, wenn sie diesen Schritt machen).

Doch unsere Auffangstationen und kostenpflichtigen Pensionsplätze sind voll. Wir kommen an unsere Grenzen und können keine Seelen in Not mehr aufnehmen.

Und unsere Tierschützerinnen vor Ort durchleben die Hölle:

Sie müssen die Hunde, die so dringend gerettet werden müssen, wegschicken. Sie müssen sie mit ihren Besitzern wieder zurückgehen lassen.

… und was mit ihnen dort passieren wird, wissen wir nicht 😔

Leider ist genau das die Realität und zeigt, wie sehr wir um jedes Leben zittern. Wir dürfen nicht aufhören zu kämpfen.

Wir können Leben retten – allerdings nur mit eurer Hilfe!

Wenn ihr einem Schützling ein Zuhause auf Zeit oder sogar ein Für-Immer-Zuhause schenken könnt, dann meldet euch bitte.

Ihr rettet damit nicht nur das Leben eures auserwählten Hundes, sondern auch das eines anderen, der an dessen Stelle treten kann.

Bitte meldet euch bei uns!

***Auf dem Bild seht ihr eine der traurigen Fellnasen, die wir zurückschicken mussten. Wir haben nicht mal ausreichend Informationen. Aber wir wollen nichts unversucht lassen***

Eins, Zwei, Drei….

DREIer Rudel

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Ehrlich gesagt, hätte mir mal jemand gesagt, dass wir heute “wieder” drei Fellnasen beherbergen, hätte ich ihn vermutlich ausgelacht.

Aber wie heißt es doch gleich so schön; Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Von Kindheit an bin ich umgeben von Tieren. Ich hatte das große Glück auf dem Land groß zu werden, mit vielen Tieren und vor allem stets von einem Hund umgeben.

Für mich stand außer Frage, dass wenn ich groß bin, ich ebenfalls einen eigenen Hund habe.

Naja, dann trat mein Mann in mein Leben (Großstadt Mensch :-)), der mit Hunden aber mal so gar nichts am Hut hatte. Um es auf dem Punkt zu bringen. Er schob bereits Panikattacke, wenn er nur einen Hund von weitem kommen sah. Doch jetzt kam er nicht mehr daran vorbei. Denn unser damaliger Schäferhund Mix, eine Seele von Hund war dies schier Wurst. Er machte keine Kompromisse, denn alle und damit meine ich jeden, der uns besuchen kam wurde standesgemäß empfangen. Mit Schmatz versteht sich, denn das allein gebührte schon seinem Anstand als Landei. Er legte damals den Grundstein für “unseren ersten eigenen Hund”.

Den Einzug machte dann ein niedliches, kleines, weißes Fellknäul mit rehbraunen Kulleraugen. Eine kleine Lady, die zu einer großen, herzlichen Schäferhündin heranwuchs.  Dreizehn wundervolle Jahre haben wir mit ihr teilen dürfen, bevor sie über die Regenbogenbrücke ging. Die Trauer war unsagbar groß und vor allem stand fest, dass wir so schnell keinen Hund mehr haben wollten. Wollten……

Denn kurze Zeit später kam Sam. Ich weiß nicht, warum wir immer wieder das Glück hatten, außergewöhnlich liebenswerte Hunde an unserer Seite zu haben. Er war so ein liebenswerter Kerl und unkomplizierter Begleiter, dass wir uns dazu entschlossen einer weiteren Fellnase ein Zuhause zu geben und ihm einen “gleichgesinnten Freund”.

Wir begaben uns nicht nur in das Abenteuer Zweithund, sondern entschieden uns eine Fellnase aus dem Tierschutz zu adoptieren. Unser Blind date, wie ich ihn heute noch sehr gerne nenne.

Niemals im Traum hätte ich damals daran gedacht, das Frauchen einer weiteren Fellnase zu werden. Erneut musste ich zu Kenntnis nehmen:

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Die dritte im Bunde ebenfalls aus dem Tierschutz, eine Segugihündin, in deren Augen sich ihre sanfte Seele widerspiegelte. Bis dato kannten wir diese Rasse nicht und ich frage mich bis heute eigentlich wieso? Eine liebenswertere Rasse gibt es für uns auf dem ganzen Planeten nicht. Doch dieses Mal war uns das Glück nicht hold. Sie war krank, sehr, sehr krank und wir durften nur einen kurzen, aber einen intensiv geliebten Lebensweg mit ihr gehen. Für uns brach eine Welt zusammen, die noch unerträglicher wurde, als unser Ersthund ihr nur kurze Zeit später folgte. Gefühlsmäßig haben wir uns auf eine Art Achterbahn begeben. Dankbar die beiden bei uns gehabt zu haben, unsagbar traurig, sie haben gehen lassen zu müssen. Was uns blieb und uns in dieser Zeit Kraft gegeben hat, war unser “Zweithund”, unser Blind Date, der nun die Monopolstellung eingenommen hatte und diese als kleiner Pascha in vollen Zügen genoss. Der Gedanke an einen weiteren Hund – sehr weit weg!

Aber hatte ich es nicht schon erwähnt?

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Auf einem kleinen Umweg schickt uns der Himmel erneut ein Segugimädel, dieses Mal nicht krank, aber voller Angst und Trauer. Man mag mich jetzt für verrückt erklären, aber ich werde bis heute das Gefühl nicht los, dass diese von unserer ersten Segugihündin geschickt wurde. Engel haben viele Facetten….

Wir alle wuchsen zusammen. Unser nun mittlerweile in die Jahre gekommener Senior hat zu unserem Erstaunen seine neue Hundekumpeline vorbildlich aufgenommen und mein Mann und ich konnten die Angst unserer Hündin und die Ansprüche unseres Seniors gut vereinbaren.

Weder geplant, noch im Entferntesten daran gedacht, schlich sich nur wenige Monate später Fellnase Numero drei in unser Leben.

Ein Wirbelwind, die das Herz meines Mannes buchstäblich im Sturm eroberte. Sie war der erste Hund, der nicht mich, sondern ihn favorisierte. Ich wollte definitiv keinen dritten Hund und sie muss das wohl irgendwie gespürt haben. Kurzerhand hat sie sich ihn ausgesucht und sich nach allen Künsten bei meinem Mann eingeschleimt. Schlaues Mädchen!

Kennt ihr den Film “und dann kam Polly?” Ähnlich kann man sich das bei uns vorstellen. Nachdem unser Tagesablauf ziemlich gut strukturiert und absehbar war, war es mit dem Einzug unserer vor Energie und Neugier strotzenden Dritthündin mal eben so vorbei. Ich muss zugeben, sie bringt uns schon manchmal an den Rande des Wahnsinns. Gleichzeitig schafft sie es und zaubert uns mit ihrer Lebensfreude und ihrer Unbekümmertheit stets ein Lächeln ins Gesicht.

Sicher, wir haben uns mit dem Einzug unseres Dritthundes erneut einer Herausforderung gestellt und ohne um den Brei herum zu schweifen ist klar, dass das nicht immer easy ist. Es wäre geflunkert zu sagen, wo zwei Hunde sind, fallen drei nicht auf. Vielmehr kann ich aus Erfahrung sagen, wo ein Hund ist, fällt ein zweiter nicht soooooooooo auf 🙂

Manchmal wünschte ich mir beim Gassi gehen eine dritte Hand und manchmal frage ich mich wie um Himmelswillen, zwölf Pfoten einen derartigen Schmutz im Haus hinterlassen können. Vor allem dann, wenn wir bei unseren Gassirunden wieder mal von Regengüssen heimgesucht werden oder unser Garten als Mäusewühlstelle auserkoren wurde. Und sicher ja, am Abend wünschten wir das Sofa wieder mal in unserem Besitz. Platz haben, um sich einfach nur mal austrecken zu können. Oder die Spontanität sagen zu können, wir fahren mal kurz ein paar Tage weg. Trotz allem oder gerade deswegen würde wir auf keinen unserer drei verzichten. Sie lassen uns wissen, dass das Leben ist und sie lassen uns spüren, dass das Liebe ist!

Hunde sind nicht unser ganzes Leben, aber sie machen unser Leben ganz 😊