Leitfaden für neue & alte Hundehalter*innen

Planen Sie einen Vierbeiner bei sich aufzunehmen? Lesen Sie unbedingt vorher unsere DOs & DON’Ts vom Hundetrainer mit einigen der gängisten Stolperfallen bei der Tierschutz-Hundehaltung durch. Manche Handlungsanweisung zur Tierhaltung aus alten Tagen ist unzeitgemäß und viele neue Erkenntnisse helfen Hundehalter*innen, heute besser mit ihrem Liebling zurechtzukommen.

 

DOs: Das sollten Sie tun

 

1. Wer genau liest, ist im Vorteil

Die Hundehilfe Toskana gibt sich größte Mühe alle Hunde aufrichtig und möglichst ohne Beschönigungen zu beschreiben: Lesen Sie sich die Beschreibungen der Hunde aus dem Auslandstierschutz mit besonderer Aufmerksamkeit durch.
❗️Bilder sprechen naturgemäß eher unsere emotionale Seite an und wir überlesen vielleicht in der spontanen Verliebtheit ein wesentliches Detail, wie z.B. dass der Hund, für den wir uns interessieren, ängstlich ist und nur an erfahrene Personen vermittelt wird.❗️


2. Ein Hundeplatz reicht

Ist der Hund bereits bei Ihnen angekommen, weisen Sie ihm einen Platz zu (z.B. ein Hundebett, Körbchen oder Hundebox). Das ist sein Rückzugsort und dort wird er von allen Hausbewohner*innen in Ruhe gelassen. Seine neue Wellness-Oase steht an einem Ort in der Wohnung, wo er auch die Chance hat sich zurückzuziehen, also nicht im Mittelpunkt des Geschehens. Er findet hier immer mal wieder einen Hundekeks oder einen Kauknochen, womit er sich ruhig beschäftigen kann. Anfangs ist es sinnvoll, ausschließlich diesen einen Ort als Hundeplatz zu etablieren, denn das sorgt aus Hundesicht für eine gewisse Überschaubarkeit.❗️Das ist kein in Stein gemeißeltes Gebot und kann nach einer entsprechenden Eingewöhnungszeit wieder aufgeweicht werden.❗️

 

3. Eingewöhnung durch Struktur

Ein möglichst strukturierter Alltag hilft Ihrem Hund sich an ein Leben im Haus und an den Rhythmus seiner Bewohner*innen zu gewöhnen, denn das kennen die Hunde aus dem Ausland in der Regel nicht. Halten Sie bestimmte Zeitspannen ein, in denen Gassi gegangen wird, es Futter gibt und vor allem häufige Entspannungseinheiten. So kann sich auch der Stoffwechsel des Hundes schneller an die neue Lebenssituation anpassen (was z.B. hilfreich beim Stubenrein-Werden ist).
❗️Zeitspannen sind auf längere Sicht sinnvoller als genaue Uhrzeiten, da Sie auf Dauer z.B. nicht jeden Tag punkt 18:30 Uhr das Abendbrot vorsetzen können. Wenn nötig, stellen Sie für alle Familienmitglieder einen schriftlichen Stundenplan auf.❗️

 


4. Den Hund richtig sichern


❗️Benutzen Sie in jedem Fall ein sogenanntes Panikgeschirr.❗️Das sind spezielle Geschirre, die einen zusätzlichen Gurt im Bereich der Taille haben und so ein Herausschlüpfen verhindern (siehe Bild oben). Man kann nie vorausahnen, vor welchen Reizen sich der Neuhund erschreckt oder welche Tiere seine Jagdambition wecken! Ein Halsband ist lediglich dazu da, um den Hund doppelt zu sichern. Wir haben zum Thema bereits einen sehr detaillierten „Ausbruchsguide“ veröffentlicht: Link dazu hier

 

5. Immer die gleiche Leier

Gehen Sie in den ersten Wochen immer die gleiche Strecke spazieren. So findet Ihr Hund den Weg zurück, falls er doch einmal ausreißen sollte und kann sich schneller an die überwältigend vielen Eindrücke gewöhnen, mit denen er in seiner neuen Heimat konfrontiert ist.
❗️Unsere Schützlinge haben zumeist ein Leben im Zwinger gefristet und kennen sich mit der Welt da draußen nicht aus. Merken Sie nach einiger Zeit, dass Ihr Hund während und nach dem Spaziergang ruhiger ist, können Sie damit beginnen, die Gassirunden auszudehnen.❗️

6. Spazieren-stehen statt Spazierengehen

Besonders umweltunsichere Hunde brauchen länger sich an die vielen neuen Gerüche und Außenreize (z.B. vorbeifahrende LKW, im Wind flatternde Fahnen, Mülltonnen etc.) zu gewöhnen. ❗️Gehen Sie also nicht im Stechschritt die gewohnte Runde, sondern bleiben Sie stehen, wenn es der Hund verlangt.❗️ So kann er sich mit der Situation auseinandersetzen und lernen, damit umzugehen. Zusammen zu flüchten ist eher kontraproduktiv. Ausnahmen davon sind wirklich gefährliche Situationen und Hunde, die bei den kleinsten Veränderungen in ihrer Umwelt in völlige Panik verfallen (Anzeichen wären z.B., dass der Hund sich verängstigt in eine Ecke drückt, sich einpinkelt oder plötzlich seine Analdrüse leert).❗️Kontaktieren Sie bitte in so einem Fall unbedingt eine/n kompetente/n Hundetrainer*in! Der nachstehende Leitfaden im Link hilft Ihnen bei der Wahl eines/r geeigneten Trainers/in: Link dazu hier ❗️


7. Die Körpersprache ist der Schlüssel

Sind Sie Anfänger*in in der Hundehaltung? Dann beschäftigen Sie sich eingehend mit der spezifischen Körpersprache der Hunde. Diese gibt einen guten Hinweis auf den Gemütszustand Ihres Schützlings. So lernen Sie Situationen mit Ihrem und anderen Hunden richtig einzuschätzen. Ihr Hund wird merken, wenn Sie unsicher sind oder seine körpersprachlichen Ausdrucksweisen nicht verstehen. Auch hierfür sind die besten Ansprechpartner*innen die örtliche Hundeschule oder ein/e zertifizierte/r Hundetrainer*in.

 

8. Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut

❗️Üben Sie sich in Geduld und Ruhe, in jeder Situation.❗️ Wer – wie die meisten unserer Hunde aus dem Auslandstierschutz –  wenig in seinem Leben kennengelernt hat, kann nicht sofort und zu jeder Zeit in unserer komplizierten Menschenwelt funktionieren. Je verbissener Sie etwas vom Hund abverlangen, desto weniger wird er bereit sein, zu kooperieren. Je hektischer Sie selbst bei Stress reagieren, desto schwieriger wird es für Ihre Fellnase, sich im neuen Leben zurechtzufinden. Tief ein- und wieder ausatmen, lautet daher Ihr neues Mantra. Das ist der erste Schritt zum Erfolg. Das sagt sich so leicht? Hauptsache, Sie probieren es aus…

 

 

 

DON’Ts: Das sollten Sie lieber lassen

 

1. Vertrauen geht vor Körperpflege

Unsere Hunde haben vor Einreise nach Deutschland nicht in klinisch reinen Umständen gelebt und eine lange, strapazierende Fahrt hinter sich. Manchmal bringen sie daher einen gewissen Muff mit. ❗️Bitte widerstehen Sie dem Drang nach Reinlichkeit und baden Sie die Hunde nicht direkt nach Ankunft.❗️ Es mag sein, dass manche Hunde damit überhaupt kein Problem haben, aber das können Sie vor dem Bad nicht einschätzen. Eine vertrauensbildende Maßnahme sieht anders als eine „kalte Dusche“ als Willkommensgeschenk aus. Tipp: Fürs Erste groben Schmutz sanft mit einem feuchten Waschlappen entfernen. Zum Abholen des Hundes legen Sie alte Handtücher/Decken im Auto und im Hundebett daheim aus.

2. Die Macht über das Futter

Dass man einem Hund von Anfang an deutlich machen muss, wer „die Hosen anhat“, hört man leider immer noch in Hundehalterkreisen. Dazu kommt dann oft der „Ratschlag“, dass man dem fressenden Hund den Futternapf unter der Nase wegziehen können muss. Unsere Toskana-Hunde kommen in den meisten Fällen von einem Jäger. Dort wurden sie nur sporadisch gefüttert. Von daher hat das Futter einen vielleicht noch höheren Wert für die Auslandstierschutzhunde, als für gut genährte vom Züchter in Deutschland. Dementsprechend hoch ist das Konfliktpotenzial, sollten Sie den obig zitierten „guten Rat“ befolgen. Sie, als Öffner*in der Dosen, bestimmen ohnehin darüber, wann der Hund sein existenzielles Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme befriedigen kann.
❗️Stellen Sie ihm daher sein Futter kommentarlos hin und lassen Sie ihn in Ruhe essen (oder alles hinunterschlingen). Verzichten Sie darauf, ihm sein Futter ständig wegnehmen zu wollen. Der Hund wird mit der Zeit lernen, dass er sein Fresschen gar nicht vor Ihnen verteidigen muss. Dieser Vertrauensvorschuss vermeidet auch schmerzhafte Beißvorfälle.❗️

 

3. Herzlich willkommen

Die Ankunft des neuen Hundes ist für alle Beteiligten eine aufregende Sache. Manch frisch gebackene/r Hundehalter*in möchte diesen großartigen Moment mit so vielen Verwandten, Bekannten wie möglich teilen und macht daraus ein Social Event. Die ganze Familie und die halbe Nachbarschaft soll daran teilhaben. Bei Kaffee und Kuchen will jeder das neue Familienmitglied einmal streicheln. Im Sinne der Hunde: Ein absolutes NO GO!
❗️Gestalten Sie die erste Zeit so ereignisarm wie möglich. Der Enthusiasmus über den geretteten Vierbeiner ist nachvollziehbar, aber das, was er am dringendsten braucht sind Struktur und Ruhe.❗️

 

4. Keine Völkerwanderungen

❗️Aus den gleichen Gründen wie oben ist anfangs von stundenlangem Spaziergehen in großen Hunde(halter*innen)gruppen abzuraten.❗️Man möchte vielleicht dem Hund in gutgemeinter Weise die Möglichkeit bieten, „mal so richtig zu laufen“ und Hundekontakte zu haben. Die Gefahr der Reizüberflutung mit den dazugehörigen Folgen ist aber einfach zu groß. Ein wichtiger Anhaltspunkt für die angemessene Länge des Spaziergangs ist das Verhalten des Hundes direkt danach. Ist er völlig überdreht? Oder klappt er vollkommen erschöpft zusammen und schläft bis zum nächsten Tag durch? Das sind Hinweise darauf, dass der Spaziergang zu aufregend bzw. zu lang war. Bedenken Sie, dass die vierbeinigen Toskaner in ihrem bisherigen Leben wenig bis gar keinen richtigen Auslauf hatten. Sie sind oft unterbemuskelt oder stehen schlecht im Futter. Man würde ja auch nicht am ersten Tag, nachdem man vier Wochen im Bett gelegen hat, vollkommen untrainiert einen Marathon laufen…


5. Kevin allein zu Haus

❗️Lassen Sie Ihren Hund nie unbeaufsichtigt. Weder allein im Garten (siehe hier auch „Ausbruchsguide“- Link), noch mit Kindern oder Haustieren im selben Zimmer. Es ist ein absolut unnötiges Risiko für Vor- und Unfälle.❗️Muss der Hund auf Dauer längere Zeiten (aber bitte niemals mehr als 6 Stunden am Stück) allein zu Hause bleiben, wenn Sie z.B. wieder ins Büro gehen, dann bauen Sie das schrittweise/minutenweise auf. Nicht zur Tür hinaus gehen und das war’s (siehe auch Punkt Nr. 6.). Am besten ist es, eine/n Hundetrainer*in für einen reibungslosen Trainingsaufbau zu konsultieren.
❗️Ein Hinweis noch an dieser Stelle: Stundenlanges Alleinbleiben kann einige Wochen bis Monate Vorbereitungs- und Trainingszeit in Anspruch nehmen. Denken Sie an ihr Mobiliar, Ihre Türen und nicht zuletzt an das Wohlbefinden Ihres Hundes.❗️

 

6. „Da muss er durch“

Diesen Spruch höre ich als Hundetrainer öfter von Halter*innen, wenn sie eine Situation beschreiben, in der ihr Hund offensichtlich Unsicherheit zeigt. Ein Bespiel: Sie begegnen beim Gassigehen dem schlecht sozialisierten Nachbarshund mit seinem Halter. Sollte Ihr Hund dem ihm unangenehmen Artgenossen ausweichen dürfen oder „muss er da durch“? Meine Antwort: „Nein, muss er nicht.“ Denn eine Konfrontation, die übel endet, bringt niemandem etwas.
❗️Nehmen Sie Ihren Hund ernst und wechseln Sie im Zweifelsfall lieber souverän die Straßenseite. Sie sollen für Ihren Lumpi der Fels in der Brandung werden, der ihn versteht und nicht sehenden Auges in eine Gefahrensituation bringt. Das ist eine große Verantwortung, aber eben auch wesentlicher Bestandteil, der zur Tierhaltung dazu gehört. Bei starker, andauernder Unsicherheit Ihres Hundes sollte deshalb unbedingt ein/e Fachmann/frau zu Rate hinzugezogen werden.❗️

7. Den „bösen Mann“ nett füttern

Einige (nicht zwangsläufig alle) der Auslandstierschutzhunde haben schlechte Erfahrungen mit Menschen, besonders häufig mit Männern, gemacht. Oft wird geraten, dass die Person, vor der der Hund Angst hat, dem Vierbeiner etwas leckeres auf der Hand anbieten soll, um sich bei ihm „beliebter“ zu machen. Das mag zunächst schlüssig klingen. Der Haken an der Sache: Der Hund gerät in einen starken inneren Konflikt. Er möchte eigentlich die Distanz zu dem Menschen bewahren, aber er will auch die Wurst… Überwindet er sich, verknüpft er diesen inneren Widerspruch im schlechtesten Fall mit der Person. Das kann die Abneigung künftig noch verstärken. ❗️Sie haben zwei Möglichkeiten, die Sache sinnvoller zu gestalten: Entweder lässt die Person, hingehockt und das Gesicht abgewandt, den Hund selbst entscheiden, wann er sich ihr nähern möchte oder die Person wirft dem Hund Leckerbissen aus einiger Entfernung hin und verschwindet wieder, während der Hund nach dem Futter sucht. Dabei bitte keine Streichelversuche mit ausgestreckter Hand. Beide Möglichkeiten können helfen, die Person für den Hund positiv aufzuladen. Aber grundsätzlich tun Sie Ihrem Hund einen Gefallen, wenn Sie Konfrontationen eher vermeiden.❗️

 

 

Kompetente Hundetrainer*innen…

…und woran man sie erkennt

 

Bei fast 10 Millionen in Deutschland lebenden Hunden ist nachvollziehbar, warum immer mehr Menschen den Beruf des Hundetrainers*) ausüben möchten. Der Bedarf an Training, Hilfe bei der Hundeerziehung oder zur Anleitung bei Hundesportarten ist gegeben – und die Klientel zahlt.
Was viele nicht wissen: Es gibt keine einheitliche, staatliche Ausbildung zum Hundetrainer. Diese Bedingungen führen leider dazu, dass auch Selbsternannte den Beruf ausüben, die nicht über die notwendigen Kompetenzen verfügen. Die Leidtragenden sind am Ende vor allem die Hunde.

Hier ein Beispiel:

 

Ein Ehepaar nimmt eine ängstliche Hündin aus Italien zur Pflege bei sich auf. Die Hündin fasst schnell Vertrauen zum Frauchen, hat aber nach einer Woche noch Scheu beim Ehemann. Damit das Pflegeherrchen auch gut mit der Hündin allein spazieren gehen kann, wenn die Frau nicht zu Hause ist, überlegt das Paar eine Hundetrainerin einzuschalten. Die Trainerin wurde ihnen von einer Bekannten empfohlen: Sie habe in nur einer Trainingseinheit ihren Hund quasi verwandelt. Sie halte selbst Hunde und habe mehr als 20 Jahre Erfahrung. Man ist überzeugt, das Paar lässt die Trainerin zu sich kommen.

Beim ersten Termin im Haus fällt auf, dass die Hundetrainerin „stark und dominant“ auftritt. Die Hündin verhält sich zurückhaltend, was damit begründet wird, dass das Tier spüren würde, dass die Trainerin „Teil eines starken Rudels“ sei. Nach der Begutachtung der ängstlichen Hündin, zu der die Trainerin ihren eigenen 17jährigen Hund hinzugezogen hatte, geht es zum gemeinsamen Spaziergang in den Wald. Diese erste Trainingseinheit wird von dem Paar mit 50 € beglichen. Die Trainerin versichert, das Geld gehe zu 100% in den Tierschutz und schlägt einen weiteren Termin vor, damit der Ehemann sicherer im Umgang mit der Hündin werde. Da die Pflegestelle plant, die Hündin fest zu adoptieren, willigen sie ein.

Eine gute Woche nach dem ersten Treffen gibt es eine weitere Einheit mit dem Mann, der Trainerin und der Hündin im Haus. Die Ehefrau kommt etwas später hinzu und man beschließt in einem Auto in den Wald zu fahren und dort das Training fortzusetzen. Die Trainerin hat zwei eigene Hunde dabei, die sie auf der Rückbank gemeinsam mit dem Pflegefrauchen und deren Hündin fahren lässt. Bei Ankunft dürfen zuerst die beiden Hunde der Trainerin die Rückbank ins Freie verlassen. Das Pflegefrauchen möchte, dass ihre Hündin kurz innehält und erst dann angeleint aus dem Auto springt.

In diesem Moment greift die Trainerin ungefragt ein: Sie beugt sich mit ihrem gesamten Oberkörper ins Fahrzeuginnere, drängt die Hündin in die Ecke, ergreift ihr Geschirr oder die Leine und „maßregelt“ den Hund daran. Die ohnehin ängstliche Hündin gerät über dieses Verhalten in Panik, weicht nach hinten aus, bäumt sich auf, knurrt, bellt, schnappt und kotet ab. Das Pflegefrauchen, das diese Szene schildert, sieht nicht, wie es passiert, sondern nur das Ergebnis. Der in Panik aufgelöste Hund hat der Trainerin in die Stirn gebissen. Der Rettungsdienst wird verständigt. Da es sich um einen Hundebiss handelt, wird automatisch die Polizei hinzugezogen. Die Hündin der Pflegestelle wird aber durch die Beurteilung eines Hundeführers entlastet und als nicht gefährlich eingestuft.

Gerade sensible Hundepersönlichkeiten aus dem Tierschutz brauchen erfahrene und kompetente Trainer und Trainerinnen. Es gibt ein paar klare Punkte an denen ihr überprüfen könnt, ob ein Trainer oder eine Hundeschule geeignet ist, euch mit eurem Hund zu trainieren:

 

1. Ausbildung

Einen Hundetrainerlehrgang bieten zahlreiche Institute an und daher ist keine einheitliche Ausbildung für diesen Beruf in Deutschland gegeben. Jeder Hundetrainer braucht aber zur Ausübung seines Berufs die „Erlaubnis zur gewerbsmäßigen Ausbildung von Hunden oder Anleitung der Tierhalter“ nach Tierschutzgesetz Paragraf 11 des örtlichen Veterinäramtes. Im Zweifel den Hundetrainer fragen, wo und welche Ausbildung er durchlaufen hat und ob die Genehmigung durch das Vet-Amt vorliegt. Positiv ist es auch, wenn der Hundetrainer sich mit Fortbildungen auf dem neuesten Stand hält.

2. Gewaltfreies Trainingskonzept

Zur Erinnerung: Im Tierschutzgesetz steht, dass keinem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leid und Schaden zugefügt werden dürfen – daran müssen sich alle halten. 
Körperliche Strafen am Hund sind nicht vertretbar. Ein Trainer, der den Hund tritt, schlägt, anbrüllt oder zur „Verhaltenskorrektur“ am Halsband reißt, ist nicht kompetent. Auch wenn euch ein Trainer einreden möchte, dass ihr euren Hund auf diese Weise maßregeln solltet, ist das ein klares Ausschlusskriterium. Der Einsatz von „Hilfsmitteln“, die dem Hund Schmerzen oder Schaden zufügen, müssen abgelehnt werden (z.B. Stachelhalsbänder). Eine gute Hundeschule informiert vorab (z.B. auf ihrer Website) darüber, dass körperliche Bestrafung nicht in ihr Trainingskonzept passt.

3. Kompetenz

Auf dem Gebiet der Verhaltensforschung werden immer wieder neue Kenntnisse gemacht, die das Wissen darüber wie Hunde sich verhalten und wie sie lernen, erweitern oder sogar verändern! Hundetrainer, die behaupten, dass die lerntheoretischen Erkenntnisse „alles neumodischer Quatsch“ sind und man früher Hunde auf diese und jene „althergebrachte“ Weise erzogen hat, sind mit Vorsicht zu genießen. Ein kompetenter Hundetrainer kann und muss dem Halter nachvollziehbar erklären, warum und wie eine bestimmte Trainingsmethode angewandt wird. Ein sehr sinnvolles Trainingskonzept basiert auf der „positiven Bestärkung“ (die z.B. beim Clickertraining genutzt wird). Fragt den Hundetrainer einfach vorab, ob er mit diesem Konzept arbeitet.

4. Umgangston und Menschenkenntnis

Sehr wichtig ist auch, ob man sich selbst gut mit dem Trainer fühlt. Schließlich soll der Trainer euch dazu anleiten, wie ihr mit eurem Hund umgeht und ihn fördern könnt. Ein Hundetrainer muss also nicht nur Hunde, sondern auch Hundehalter*innen trainieren können. Ist der Umgangston mit den Trainingsteilnehmenden freundlich und angenehm? Denn wer Spaß beim Training hat, lernt bekanntlich besser – das gilt für Menschen, genauso wie für Hunde. Beobachtet euren Hund beim Training: Fürchtet er sich vor dem Trainer oder freut er sich, ihn zu sehen? Wie ist es mit euch – habt ihr den Eindruck, der Trainer hat Freude an seinem Beruf und interessiert sich aufrichtig für die Hunde? Steht ihr Wohlergehen an oberster Stelle für ihn?

5. Hundeerfahrung

Jeder Hundetrainer hat im Normalfall Schwerpunktbereiche: Manche haben sich auf den Hundesport (z.B. Agility) spezialisiert, andere sind Experten in der Problemberatung. Nicht automatisch jeder hat Erfahrung mit Hunden aus dem (Auslands-)Tierschutz oder mit Angsthunden. Es ist daher notwendig beim Erstgespräch (z.B. per Telefon) abzuklären, ob der Hundetrainer auch wirklich das erforderliche Erfahrungsspektrum für das Training mit eurem Hund besitzt. Aber egal welchen Schwerpunkt ein Hundetrainer bedient, eines müssen habe alle: Ein fundiertes Wissen über die Körpersprache von Hunden. Ein Trainer, der die Mimik und Körpersprache eines Hundes nicht versteht (siehe die Geschichte oben!) ist eindeutig im falschen Beruf.

6. Trainieren mit Plan

Ein guter Hundetrainer wird zunächst eine umfangreiche Anamnese von eurem Hund erstellen und im Gespräch mit euch Fragen abklären, bevor er erläutert, wie das Training aussehen soll. Dabei wird er wissen wollen, ob der Hund gesundheitliche Probleme hat, denn diese könnten ein Training beeinflussen. Der Trainingsplan, den er euch im Anschluss vorstellt, sollte realistisch gesteckte Ziele haben. Macht der Hundetrainer etwa Versprechen, die wie eine „Wunderheilung“ klingen, darf man skeptisch werden. Zum Beispiel auch, wenn er vermitteln möchte, dass nur die Kastration eures Hundes zur Änderung seines Verhaltens führen wird. 
Gutes Hundetraining beinhaltet zudem eure Kooperation und eure Bereitschaft, mit dem Hund zu trainieren und eure Hausaufgaben zu machen. Ein Hundetrainer, der sich nur die Leine von eurem Hund schnappt und ihn „behandelt“ während ihr daneben steht, macht wenig Sinn. 
Je nach Problematik oder je nachdem, welchen Kurs ihr in der Hundeschule besucht, erstellen die Trainer auch Protokolle der Trainingseinheiten. Das hilft euch, eure Fort- und auch Rückschritte zu erkennen.

 

💡Hundetraining ist ein bisschen wie ein Paartanzkurs💡

Man kann nicht erwarten, dass alle Teilnehmenden die Schritte zur gleichen Zeit drauf haben. Bei manchen geht es schnell, andere brauchen länger. Man muss Geduld haben und meistens läuft es unverkrampft und ohne verbissenen Ehrgeiz gleich viel besser. Hat man dann noch einen Trainer, der selber gerne tanzt, macht das Ganze zudem richtig Spaß.

 

 

*) Der Einfachheit halber wird im Text nur die eingeschlechtliche Bezeichnung benutzt. Gemeint sind aber alle…

Antijagdtraining – wozu?

Eine Einführung ins Jagdersatztraining vom Hundetrainer

 

Was tun, wenn „Fiffy“ jagen geht? Viele unserer Schützlinge wurden in Italien zur Jagd eingesetzt. Daher ist es bei einigen dieser Hunde wahrscheinlich, dass die Jagdpassion auch in ihrem neuen Leben, bei gebotener Gelegenheit, wieder entfacht wird. Aber auch Hunde, die in ihrem früheren Dasein nicht jagdlich geführt wurden, können diese Leidenschaft für sich entdecken. Das bedeutet für den neu eingebürgerten Toskana-Hund: An die Leine! Und zwar so lange, bis man ihn, seine Jagdambition und sein sonstiges Verhalten wirklich einschätzen kann. Das kann, je nach Individuum, auch mal ein paar Monate (und länger) dauern.

Hat man nun einen solchen Springinsfeld bei sich aufgenommen, herrscht absoluter Handlungsbedarf. Aus vielen Gründen: Das Hetzen oder gar Töten von anderen Tieren ist laut Tierschutzgesetz verboten. Ein gejagter Hase macht vielleicht auf der Flucht nicht Halt vor der Autobahn und bringt dann nicht nur sich und den Hund in Gefahr. Zudem darf ein Jäger laut Jagdgesetz jagende Hunde erschießen.

Die Leine am Hund ist ein guter erster Schritt, ändert aber nichts an der Motivation jagen zu gehen. Will man den Hund später auch frei laufen lassen, ist es empfehlenswert ein sogenanntes Antijagd- oder Jagdersatztraining durchzuführen.

 

 

Woher kommt die Lust zu Jagen?

 

Der Hund ist ein Beutegreifer – darum gehört das Jagen zu seinem normalen Verhalten.
Die drei Hauptursachen für das Zeigen von Jagdverhalten sind:

  • Überleben
    Hunger als Motivation zu jagen spielt bei unseren neuen Lieblingen (hoffentlich) keine Rolle mehr, da sie ja von uns gehegt und gepflegt werden.
  • Genetik

    Viele Hunderassen werden schon seit Jahrhunderten zur Jagd eingesetzt und daraufhin selektiv gezüchtet.
  • Erlerntes Verhalten / Langeweile

    (Hinterher-)Jagen macht dem Hund nämlich auch einfach Spaß!

 

Eine Jagdsequenz besteht aus sieben Teilen:

 

  • Orientieren (mit Augen, Nase, Ohren)
  • Fixieren (steif stehen bleiben, alle Sinne nach vorn gerichtet)
  • Pirschen (hinlegen, anschleichen, Fährte verfolgen)
  • Hetzen (hinterherrennen, buddeln)
  • Ergreifen (mit den Zähnen)
  • Töten (auch mit den Zähnen)
  • Fressen (wiederum mit den Zähnen)

Die Erregung des Hundes steigt vom Orientieren zum Töten hin ständig an und nimmt dann mit dem Fressen wieder ab. Jedes dieser sieben Elemente ist selbstbelohnend und das nutzt man bewusst für ein gutes Antijagdtraining. Im Übrigen kann man dem Spruch „ein Jagdhund kann nur bei einem Jäger glücklich werden“ in Zukunft mit einem Nicken und Lächeln begegnen. Dieses Argument ist schlicht hinfällig. Denn auch ein Jäger muss ein Antijagdtraining durchführen. Er möchte schließlich nicht, dass sein Jagdgebrauchshund das zu erlegende Tier tötet und frisst, sondern dass er vorsteht und so weiter.

 

Es jagen nicht nur die Jagdhunde – je nach Hundetyp und der für ihn zugedachten Aufgabe(n), sind bestimmte Verhaltensweisen besonders ausgeprägt. Einige Beispiele:

  • Hütehunde (z.B. Border Collie, Australian Shepherd, Sheltie): Fixieren, Pirschen, Hetzen
  • Windhunde (z.B. Afghane, Galgo, Whippet): Hetzen, Ergreifen
  • Vorstehhunde (z.B. Pointer, Setter, Weimeraner): Orientieren, Fixieren
  • Retriever (z.B. Labrador, Golden Retriever, Spaniels): Fixieren, Ergreifen & Apportieren

 

Für ein sinnvolles Antijagdtraining muss man erkennen, welche Teile der Jagdsequenz beim betreffenden Hund besonders ausgeprägt sind. Darauf basiert nicht zuletzt die Entscheidung mit welchem Hobby (z.B. Nasenarbeit, Dummy-Training,…) man den Hund glücklich machen kann. Die Rassebeschreibung kann dafür durchaus ein Anhaltspunkt sein, aber nicht jeder Hund kann lesen. 😉

 

 

Das Antijagdtraining baut sich aus mehreren Faktoren auf

 

Grunderziehung: Sie ist die Basis für jedes Mensch-Hund-Team. Das sind die Übungen, die man in jeder Hundeschule lernt wie „Sitz“, „Platz“, „Bleib“, „Komm her“ usw..

Impulskontrolle: Der Hund lernt sich zurückzuhalten, unter stets steigender Ablenkung und Reizstärke. Das geht vom Leckerli in der Hand bis hin zur kontrollierten Begegnung mit Wild (z.B. in einem Wildpark).

Alternativverhalten aufbauen: Das heißt, der Hund lernt auf Zuruf hin z.B. zu buddeln, anstatt hinter Nachbars Katze herzurennen. Das ist ein gesellschaftlich akzeptables Jagdverhalten und funktioniert am besten durch Clickertraining.

Schleppleinentraining: Sie ermöglicht dem Hund nicht nur einen größeren Freiraum auf Spaziergängen, sondern kann bei gutem Training (!) dazu führen, dass er irgendwann auch ohne Leine einen bestimmten Radius um den/die HalterIn beibehält.

Geistige und körperliche Auslastung: Hier gilt es eine Balance zwischen beidem zu finden. Das gilt natürlich immer für jeden Hund – egal ob er jagen möchte oder nicht.

Hobbies: Aus der Jagdarbeit haben sich verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten für den Familienhund entwickelt, z.B. Dummytraining, Fährtenarbeit oder Mantrailing, Hunderennbahn,…

Management: Naheliegend ist es, wildreiche Orte zu vermeiden. Die Leine hilft, Jagderfolge zu verhindern. In manchen Fällen kann ein Maulkorb notwendig sein. Auch der muss antrainiert und darf dem Hund nicht einfach übergestülpt werden.

 

Wieso nicht einfach unterdrücken?

 

🐇Es gibt viele Anekdoten von HundebesitzerInnen, die von „Fiffys“ letzter Jagdsession handeln: 🐇

„Wir gehen spazieren, da rennt uns plötzlich ein Hase über den Weg. Da kann ich „Fiffy“ echt nicht mehr mit der Leine halten. Die beiden flitzen also mit Karacho durch einen Dornbusch, dann einen Elektrozaun und anschließend noch über einen Bach. Das hat ihm gar nix ausgemacht. Da war Meister Lampe auch schon in seinem Bau verschwunden. „Fiffy“ versuchte irgendwie ran zu kommen, aber merkte, dass es keinen Zweck hat. Ja, da steht er dann und guckt blöd. Aber glaubst du, der traut sich den selben Weg zurück zu kommen? Nee, nicht mal durch den Bach wollte er – da könnte man sich ja die Pfötchen nass machen. Und ich steh da und rufe und tue, aber nix zu machen. Ich musste das Feld einen halben Kilometer umlaufen, um ihn auf einem Seitenweg wieder einzufangen.“

So oder so ähnlich wird dann erzählt. Man kann sich bildlich vorstellen, wie „Fiffy“ hilfesuchend da steht und hofft, dass Frauchen/Herrchen eine Lösung für seine Bredouille findet. Es gibt aber noch mehr aus diesen Erzählungen heraus zu lesen: Zum Beispiel, dass die Leine keinen 100%igen Schutz bietet. Man sollte zwar stets auf alles gefasst sein, aber Wildtiere rennen einem wirklich gern unvermittelt über den Weg und wer kann da schon so schnell reagieren?
Vor allem zeigt die Geschichte mit dem Hasen, dass der Hund während der Jagd ein vermindertes Schmerzempfinden hat und der Selbstschutz ausgeschaltet wird. Daraus kann man wiederum schließen, dass es keinen Sinn macht, ein Jagdverhalten mit (körperlicher) Strafe austreiben zu wollen. Im besten Fall bemerkt „Fiffy“ das Strom- oder Sprühhalsband gar nicht, weil er mit Adrenalin voll gepumpt ist und nur noch „Hasi-Hasi-Hasi“ im Kopf hat. Im schlechtesten Fall führt eine übertriebene Strafe zu Fehlverknüpfungen und der Hund hat plötzlich Angst vor Waldwegen, Kühen oder blauem Himmel – je nachdem was er im Moment der Strafe sonst noch so wahrgenommen hat. Mal ganz abgesehen von der Tierschutzrelevanz solcher „Methoden“.

 

Deshalb:

 

Wie ihr euren Hund am besten auslastet und welches Hobby ihr ihm im Zuge des Jagdersatztrainings anbietet, könnt ihr bei einer guten Hundeschule oder einem/r HundetrainerIn erfahren. Achtet bei der Wahl dieser darauf, dass mit positiver Verstärkung gearbeitet wird.

Die gemeinsame Beschäftigung mit eurem Hund im Antijagdtraining wird eure Bindung zueinander stärken und die gegenseitige Kommunikation verbessern. Ein guter Rat vom Trainer noch zum Schluss: Geht immer mit einer gehörigen Portion Spaß an die Sache 😉 – dann klappt’s auch.

 

 

Was ist Dog Walking?

Hundehilfe Toskana hat es ausprobiert

 

Wie ist es eigentlich, wenn man mehr als 10 Hunde spazieren führt? 🐕🐕🐕🐕🐕
Vor kurzem bot sich uns die einmalige Gelegenheit einer professionellen Dog Walkerin aus Berlin bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.

 

Wir verabredeten uns in einem weitläufigen offiziellen Hundeauslaufgebiet 🌳 hinter der nördlichen Stadtgrenze. Die Dog Walkerin kommt regelmäßig mit ihrem mehr oder weniger festen Rudel dorthin und kennt jeden Busch wie ihre Westentasche. An diesem Tag hatte sie 12 Vierbeiner dabei, die mit ihrem Ausführservice vertraut sind. Dazu kamen unsere beiden aus dem Auslandstierschutz. Ich war gespannt, wie sich die insgesamt 14 Hunde verhalten würden. Ob wild getobt werden würde? Oder gerauft?

Erst einmal wurden die Hunde auf dem Parkplatz aus dem Fahrzeug geladen. Da man 12 Hunde, die schon wissen, dass „es jetzt gleich los geht“ nicht unkontrolliert zwischen geparkte und einfahrende Autos springen lässt, dauert das seine Zeit. Nach dem Entladen lief uns die Walkerin mit ihrem angeleinten Rudel voraus in das nicht eingezäunte Auslaufgebiet. Wir folgten im Abstand von etwa 15 m mit unseren Hunden an der Leine. Dabei konnte ich gut beobachten, wie unterschiedlich die Hunde der Gruppe sind: Vom Mops bis zum Labrador und etlichen Varianten an Mischlingen, ist alles dabei.
Bis auf das Fiepen einer nervösen Terrierdame schien die Gruppe ruhig und gab ein harmonisches Bild ab. Die vielen Schleppleinen der Hunde bündelten sich wie ein Strauß Blumen in der Hand unserer Walkerin. Um aus den Leinen kein unentwirrbares Knäuel zu machen, bewegte sie sich aufmerksam, aber entspannt vorwärts und die Tiere mit ihr.

Nach etwa 100 m und der ersten Wegbiegung begann die Dog Walkerin damit, einzelne Hunde abzuleinen, sobald sie aufmerksam und ruhig waren. Mittlerweile durften sich auch unsere beiden frei bewegen und nahmen zunächst zaghaft, aber nett Kontakt mit dem Gassi-Rudel auf. Dann begannen alle lebhafter zu werden. Der braune Podenco, der gern vorausläuft, animierte unseren Rüden es ihm nachzumachen. Zusammen mit einigen anderen Draufgängern stoben sie ins Gebüsch. Die eher gemütlichen Kandidaten trotteten neben oder hinter uns und schnüffelten am Wegrand herum. Die Walkerin behielt immer alle im Blick und rief einzelne Hunde zu sich zurück. Kamen sie prompt angerannt, gabs eine Belohnung. Mich beeindruckte, wie auch dabei alle Hunde freundlich zueinander blieben, obwohl gerade manche ein Leckerli bekamen und andere nicht.

Das Auslaufgebiet ist ziemlich groß, so dass man nicht an jeder Ecke jemandem begegnet. Passiert es dann doch, wissen die meisten BesucherInnen 🏃 🚴, dass Profi-Dog Walker mit ihren Hundegruppen unterwegs sind und nehmen darauf Rücksicht. An diesem Tag liefen an uns ein paar Jogger vorbei und einige private HundebesitzerInnen – das Rudel beschnupperte die anderen freundlich und ging folgsam auf die Seite des Weges, wenn wir sie dazu anwiesen. Begegnet man weiteren Dog Walkern mit ihren Hunden, dann wird durch Zuruf aus einiger Entfernung geklärt, wer wohin möchte. So wird verhindert, dass eine ziemlich große Gruppe an Hunden aufeinander trifft und womöglich den Weg versperrt oder sich einzelne Tiere in die Wolle kriegen.

Auf etwa der Hälfte des Spaziergangs gingen wir die Böschung zu einem Bachlauf 💦 hinunter. Für die Wasserratten ein schönes Highlight zum Baden, für die anderen eine Möglichkeit zu Trinken. Gehts durch ein Auslaufgebiet ohne Wasserzugang – und generell auch für den Durst zwischendurch – hat die Dog Walkerin immer mehrere Näpfe und Wasser dabei. An Lichtungen wird dafür gern mal ein Päuschen eingelegt. Einige Hunde ruhen sich dann aus. Die Aktiven buddeln oder fangen ein Spiel miteinander an.

Als es dann nach gut 2 Stunden wieder in Richtung des Parkplatzes ging, waren unsere beiden Hunde schon so in die Gruppe integriert, als würden sie täglich mitgehen. Besonders unser Rüde strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Ob er früher in Italien bei der Jagd in einer Meute mitgenommen wurde, wissen wir nicht, aber es war für ihn auf jeden Fall der erste Freizeitspaziergang mit so vielen Hunden. Die Anwesenheit der anderen Hunde hatte ihn sichtlich animiert, seine Extrakilometer beim Vor- und Zurückrennen zur Gruppe zu machen. Unsere tiefenentspannte Hündin blieb auf dem gesamten Spaziergang mehr in der unsrer und der Nähe des Rudels und schloss Freundschaft 💛 mit einem ebenfalls ruhigen Dackelrüden.

 

 

Fazit:

 

Kompetente Dog Walker haben ihre Hunde konsequent und stets wohlwollend unter Kontrolle, weil sie sie gut kennen und ihre Gassigruppe achtsam zusammen stellen. Die Dog Walker bieten in der Regel für Interessierte Proberunden an und können einschätzen, ob die Hunde zueinander passen. Als HundebesitzerIn muss man diesen Service bezahlen, aber es ist für die meisten gut sozialisierten und fitten Hunde eine prima Gelegenheit sich auszupowern, ohne überfordert zu werden. Manch unsicherer Hund (wie der kleine Terrier) fühlen sich in der Gruppe wohler als allein. Aber auch ältere Hunde kommen voll auf ihre Kosten, weil die Dog Walker das Tempo der Gruppe anpassen. Grundsätzlich ist es für Stadthunde eine schöne Sache aus der täglichen Routine herauszukommen und sich abgeleint durchs Auslaufgebiet zu bewegen.

Da kein Hund länger als 6 Stunden alleine gelassen werden sollte, kann ein Profi Gassi-Service die optimale Lösung sein, den Hund auszulasten und seine Lebensfreude zu erhalten, wenn man tagsüber nicht zu Hause ist. Der Hund wird abgeholt, zum Auslaufgebiet und auch wieder zurück gebracht. Er hat Kontakt zu Artgenossen und darf sich in verkehrsarmer Landschaft vom Alltagstrott erholen. Dog Walking – oder Ausführservices gibt es überall, nicht nur in Berlin. Einige bieten günstigere Abos für regelmäßige Spaziergänge an. Man sollte aber nicht nur nach dem Preis entscheiden, sondern ob der/die Dog Walker einen Draht zum Hund hat, fachlich kompetent ist und eine positive Einstellung in der Hundeerziehung mitbringt.

Neugierig geworden? Hört euch um – vielleicht kann euch z. B. eure Hundeschule jemanden empfehlen!

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Einen Welpen adoptieren

Dem Kindchenschema verfallen oder beherzt entschieden?

 

Wir können uns alle dem Zauber süßer Gesichter mit Kulleraugen und flauschigem Haar nicht entziehen. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob diese zu einem Menschen- oder einem Hundekind gehören. In der Hundevermittlung kennt man diesen biologisch-psychologischen Effekt nur zu gut. Sobald ein niedlicher Welpe auf der Website veröffentlicht wird, setzt bei manchen Interessenten im wahrsten Sinne des Wortes der Verstand aus und es prasseln sofort zahlreiche Anfragen ins Postfach.

Natürlich ist das auf der einen Seite für uns als Tierschutzverein, der Hunde möglichst schnell in ein richtig gutes Zuhause vermitteln möchte, auch positiv. Denn gerade Welpen und Junghunde brauchen (genau wie Menschenkinder) ein stabiles Umfeld, in dem sie sich zu gesunden Erwachsenen entwickeln können. Im Tierheim oder einer Auffangstelle mit vielen anderen adulten und/oder großen Hunden, kann das manchmal nicht gewährleistet sein. Welpen brauchen die Gesellschaft anderer Welpen. Sie lernen voneinander, erkunden die Welt zusammen und testen Grenzen aus. Welpen brauchen gleichaltrige Spielpartner und es gilt wieder: Genau wie Menschenkinder, die in die Kita oder den Kindergarten gehen. Daher erwarten wir von Interessenten für Welpen und Junghunde, dass sie dazu bereit sind, sich auf die besonderen Bedürfnisse eines sehr jungen Hundes einzustellen.

 

Welpen brauchen das Rundum-Betreuungspaket:

 

  • Sie müssen häufiger raus, um ihr Geschäft zu verrichten.
  • Sie müssen viel Schlafen und auch tagsüber die Möglichkeit für Rückzug und Ruhepausen haben. Vielleicht schlafen sie nachts nicht durch und winseln.
  • Man muss für sie da sein, mit ihnen spielen und die ersten Grundsteine für die Erziehung legen, ohne sie dabei zu überfordern.
  • Man muss geduldig sein und kleine Malheurs und Zerstörungen in der Wohnung akzeptieren. Die Kleinen lernen erst mit der Zeit, was geht und was nicht erlaubt ist.

 

Junge Welpen brauchen zudem physische Nähe, weil sie Schutz bei anderen suchen, wenn sie sich fürchten. Ihr Immunsystem und ihr Bewegungsapparat sind noch nicht vollständig ausgereift. Daher sollten sie auch körperlich nicht überfordert werden. Z.B. können oder sollten Treppen und andere räumliche Hindernisse zu Beginn nicht alleine von ihnen bewältigt werden.

Abgesehen von der körperlichen muss die geistige Entwicklung eines Hundes im Welpenalter unterstützt werden. Viele Hunde (und gemeint sind nicht nur die aus dem Tierschutz, sondern auch die von Züchtern) zeigen als Erwachsene Verhaltensauffälligkeiten, die auf mangelnde Sozialisation oder unzureichende Gewöhnung in der frühen Welpenzeit zurückzuführen sind. Man kann von einem jungen Tier nicht erwarten, dass es alle Gegenstände, Personen und Situationen gelassen hinnimmt, wenn es diese nie kennengelernt hat. Es liegt also in der Verantwortung der HundehalterInnen, den jungen Hunden alle möglichen Dinge behutsam zu zeigen und sie an ein Leben in Menschengesellschaft zu gewöhnen.

 

Wenn Sie immer noch fest entschlossen sind, einen Welpen zu adoptieren, machen Sie hier die Checkliste:

 

  • Habe ich genügend Zeit, mich um einen Welpen zu kümmern? (2 Wochen Urlaub für den Anfang und dann wieder Vollzeit arbeiten ohne organisierte Welpenbetreuung ist unrealistisch)
  • Bringe ich die Seelenruhe und die notwendigen Kenntnisse für die Welpenerziehung mit? Bin ich bereit, die notwendigen Kenntnisse zu erlangen (z.B. über Fachliteratur)?
  • Sind mein Haushalt und alle darin wohnenden Mitglieder (Menschen – insbesondere Kinder – und Haustiere) auf einen Welpen vorbereitet?
  • Bin ich fit genug und nehme mir die Zeit, einen (bald) pubertierenden Hund auszulasten und zu erziehen?
  • Bin ich bereit, dem Welpen die notwendigen Kontakte mit Gleichaltrigen zu verschaffen und dazu ggf. eine Hundeschule (Stichworte „Welpenspielstunde“, „Grunderziehung für Junghunde“) zu besuchen?
  • Möchte ich die Verantwortung für den Hund über den Zeitraum seines gesamten Lebens (bis zu 16 Jahre) übernehmen?

 

Wenn Sie jede Frage mit einem beherzten JA beantworten, ist eine Welpenadoption eine Möglichkeit.
Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit NEIN beantwortet haben, schauen Sie doch auch mal hier rein: Senioren zuhause gesucht

 

Hiergeblieben! Der Anti-Ausbruchguide

Was man tun kann, bevor der Hund davonläuft

 

Die Arbeit im Tierschutz beschert uns viele erfreuliche Momente. Leider passiert es aber auch immer wieder, dass Hunde gerade in ein neues Zuhause eingezogen sind und aus den verschiedensten Gründen abhanden kommen. Zum Glück werden sie oft gefunden! Das aber nicht ohne Stress, Tränen und Sorgen seitens der BesitzerInnen. Damit alle frisch gebackenen HundehalterInnen sich im Vorfeld optimal auf die Neuankömmlinge einstimmen können, haben wir einen bebilderten Anti-Ausbruchguide erarbeitet. Er steht hier zur freien, privaten Nutzung bereit: AntiAusbruchguideNEU

Wichtiger Hinweis:

Es wäre schön, wenn jeder Download von euch durch eine Spende (in Höhe von z.B. 5 €) auf das Hundehilfe Toskana-Konto kompensiert wird. Eure Spenden haben großen Anteil an der Versorgung der Hunde in unserem Partnertierheim und den anderen Auffangstellen in Italien. Danke & viel Spaß beim Lesen!

Hundehilfe Toskana e.V.
Kreissparkasse Mainfranken Würzburg
IBAN: DE36 7905 0000 0048 8875 90
BIC: BYLADEM1SWU